Gemüse-grillen

Alemania mediterránea

Bereits im Jahr 2003 verkündeten die Medien den ersten „Jahrhundertsommer“ des 21. Jahrhunderts. Denn schon damals gab es einen ungewöhnlich langen und gleichzeitig besonders heißen Sommer. Allerdings konnten die Experten damals natürlich noch nicht ahnen, was uns 2018 erwarten würde. Nach einem sehr langen und kalten Winter, der die Bäume noch Anfang April tief in der Winterstarre hielt, schien das Wetter (und damit natürlich auch die Natur) regelrecht zu explodieren. Seither ist Sommer. Und was für einer! Fast kein Regen fällt, um den Pflanzen Feuchtigkeit und uns Abkühlung zu spenden. Manch einer spottet bereits, dass die Landwirte sich ein Beispiel an den Ländern Südeuropas hätten nehmen sollen, um rechtzeitig auf Oliven- und Zitrusbäume zu setzen. Vielleicht müssen sich die Bauern tatsächlich eines Tages von ihren südeuropäischen Kollegen schulen lassen. Für unseren Alltag können wir uns natürlich schon jetzt von südlichen Gepflogenheiten inspirieren lassen, insbesondere im Hinblick auf die Ernährung. Denn rund um das Mittelmeer ist ein solcher Sommer, wie wir ihn 2018 erleben, bekanntlich Normalität. Wie also kommt man dort fit, gesund und lecker durch den Tag?


Iss‘ morgens wie ein König, mittags wie ein Bürger und abends wie ein Bettler?

Möglicherweise mag ein solches Essverhalten in unserem Breiten seine Berechtigung haben. In südlichen Gefilden kann man darüber allerdings nur schmunzeln. Ein gutes Beispiel ist Spanien. Dort will zwar auch kaum jemand auf seinen morgendlichen Kaffee verzichten, der allerdings oft eher einem Espresso entspricht. Allerdings ist das Frühstück damit meistens bereits abgehakt. Vielleicht isst man noch ein Crusán (spanisch für Croissant), allerdings ist das nicht selten bereits die Wegzehrung für sie Strecke zur Arbeit oder zur Schule. Trotzdem fallen die Spanier vormittags nicht vom Fleisch, denn die auch hierzulande immer beliebteren Tapas gibt es dort eigentlich den ganzen Tag. An besonders heißen Tagen stellen die auch das Mittagessen dar, das ohnehin eher klein ausfällt und selten vor 14 Uhr eingenommen wird. Im Laufe des Nachmittags dürfen die Tapas manchmal auch süß ausfallen, wenn man sie nicht zu Bier oder Wein, sondern zum Kaffee genießt. Das Abendessen schließlich ist die tägliche Hauptmahlzeit. Faustregel: Man isst spät und man isst viel. Wenn man in Spanien ein Restaurant findet, das vor 20:30 Uhr bereits Abendessen anbietet, dann wendet es sich vor allem an Touristen. Kaum ein Spanier würde derart früh an das Abendessen denken – es sei denn, er ist mit dessen Zubereitung beschäftigt. Und da das Abendessen so üppig wie vielfältig ausfällt, insbesondere am Wochenende, kann man im Vorfeld schon eine Menge damit zu tun haben. Ob es sich dabei „nur“ um eine gewaltige Auswahl an Tapas handelt oder ob es eine Hauptspeise gibt, ist abhängig von der Region, aber natürlich auch von Lust und Laune der Menschen selbst. Wer Gäste erwartet, lässt sich hier natürlich nicht lumpen.

Selbstverständlich wissen die Spanier auch, wie wichtig es ist, viel zu trinken. Zwar kommen die wenigsten Einheimischen auf die Idee, sich in der Mittagshitze in der Sonne brutzeln zu lassen. Lieber verkriecht man sich in klimatisierte Büros oder in Altbauten, die im Inneren dank dicker Wände und kleiner Fenster auf natürliche Weise kühl bleiben. Außerdem verlegen die Spanier ihre Arbeitsstunden auf den Morgen und den Abend, um sich zwischenzeitlich eine lange Siesta zu gönnen. Natürlich ebenfalls im Kühlen. Getrunken wird natürlich trotzdem, und zwar von morgens bis abends, manchmal auch noch nachts. Dass man bereits zum ersten Kaffee ein Glas Wasser trinkt, ist eine Selbstverständlichkeit. Wie übrigens in allen südlichen Ländern. Inzwischen ist es auch in Österreich oder in skandinavischen Ländern normal, dass einem zur Tasse Kaffee ein Glas Wasser serviert wird. Lediglich in Deutschland ist das noch eine Ausnahme. Leider sogar an richtig heißen Tagen. Wasser ist natürlich nicht nur der Begleiter zum Kaffee, sondern der Durstlöscher Nummer 1. Manchmal wird es auch als Tee getrunken. Es käme aber kaum jemand auf die Idee, in Cola, Saft oder alkoholischen Getränken brauchbare Durstlöscher zu sehen. Selbstverständlich werden diese Drinks auch im Süden konsumiert, allerdings eher als Zusatz zum Gänsewein.

Und was lernen wir daraus?

Natürlich kann man nicht mal eben alle Ess- und Lebensgewohnheiten der Spanier (oder anderer Südeuropäer) kopieren und hier 1:1 umsetzen. Schon allein die Arbeitszeiten sind hier vollkommen anders und lassen sich aus verschiedensten Gründen nicht so einfach verschieben. Was wir aber tun können ist, unsere Ernährung entsprechend anzupassen. Es muss ja nicht für das ganze Jahr sein, doch für die heißesten Tage können wir uns so gesund und gut wie die Spanier ernähren. Fette, mächtige Speisen kommen also allenfalls mal am Abend auf den Tisch. Ansonsten darf es leichter und kühler ausfallen, was auch die Arbeit in der Küche angenehmer macht. Denn bei tropischen Werten will schließlich niemand lange vor einem zusätzlich heißen Herd stehen.

Antipasti oder Tapas sind da die bessere Wahl, aber auch Salate und schnelle Pastagerichte sind lecker, liegen nicht schwer im Magen und versorgen den Körper mit allem, was er braucht. Besonders im Frühsommer bringt der Spargel Erdbeer Salat mit karamellisiertem Balsamico Dressing so frische wie überraschende Aromen auf den Teller. Pastafans kommen mit dem Muschelnudelsalat mit Garnelen in Balsamico Dressing oder Farfalle mit frischen Kräutern voll auf ihre Kosten. Bei den Spaghetti Aioli mit Kräutern und Tomaten sorgt der Knoblauch für eine deftige Note.
Bei allem, was auf den Tisch kommt, gilt natürlich auch hierzulande: Trinken ist das A und O. Natürlich nicht nur, aber insbesondere an heißen Sommertagen.

Übrigens sage ich immer, wenn jemand über den heißen Endlos-Sommer schimpft: An manch bitterkaltem, grauen und tristen Wintertag werden wir uns genau diesen Sommer zurückwünschen. Und auch solche Tage werden wieder kommen. Garantiert.


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Von: Anno Stock
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