Bier: Das Lieblingsgetränk der Deutschen

Deutschland, Land der zigtausend Biere. Nirgendwo gibt es mehr Brauereien als hier, nirgendwo ist die geschmackliche Vielfalt so groß und nirgendwo gibt es ein strengeres Reinheitsgebot als bei uns. Bier ist ein Genussmittel, dem sich nur wenige erwachsene Menschen komplett entziehen können. Auch bei der Zubereitung vieler schmackhafter Gerichte spielt Bier eine wesentliche Rolle. Aber wie gesund oder ungesund ist Bier eigentlich? Was ist drin, was ist dran und wieviel Bier darf man sich ohne Reue schmecken lassen?

Das Reinheitsgebot

Ein Streifzug durch den Getränkemarkt genügt, um mit vermeintlich unterschiedlichen Reinheitsgeboten konfrontiert zu werden. Fast jedes dort erhältliche Bier trägt die Aufschrift „Gebraucht nach dem deutschen Reinheitsgebot“. Bayrische Brauer verwenden allerdings lieber den Begriff „Bayrisches Reinheitsgebot“ und in der bayrischen Hauptstadt wird es sogar auf „Münchner Reinheitsgebot“ heruntergebrochen. Tatsächlich handelt es sich aber stets um die identische Regel, die bei den Zutaten für ein Bier nur Wasser, Hopfen, Gerste und Bierhefe zulässt.

Und wie ein Blick in die Geschichte zeigt, war die Schaffung eines solchen Gesetzes auch bitter notwendig. Schon Kaiser Friedrich Barbarossa zeigte sich erbost über Brauer, die schlechtes oder gepanschtes Bier anboten und drohte ihnen mit empfindlichen Strafen. Oft war der Grund für dieses Vorgehen offensichtlich: Brauer wollten Geld sparen und ihren Gewinn maximieren, indem sie minderwertige oder einfach billigere Zutaten verwendeten. In einigen Fällen dürfte es aber auch eine Geschmackssache der Brauer gewesen sein. Der Deutsche Brauer-Bund beschreibt auf seiner Website, welche Zutaten den Weg in das Bier fanden: „Ochsengalle, Wacholder, Gagel, Schlehe, Eichenrinde, Wermut, Kümmel, Anis, Lorbeer, Schafgarbe, Stechapfel, Enzian, Rosmarin, Rainfarn, Johanniskraut, Fichtenspäne, Kiefernwurzeln, vor allem aber auch Bilsenkraut“. Einige dieser Zutaten waren schon vor Jahrhunderten als giftig bekannt, doch dieser Umstand kümmerte viele Brauer allenfalls am Rande.

Im Jahr 1516 sollte damit endlich Schluss sein. Unter der Leitung von Herzog Wilhelm IV. trat der Landesständetag in Ingolstadt zusammen, um das durch den Herzog ausgearbeitete Reinheitsgebot zu ratifizieren. Nicht ohne Stolz weist der deutsche Brauer-Bund darauf hin, dass es sich dabei um die älteste, nach wie vor gültige Lebensmittelvorschrift der Welt handelt.

Aber man muss gar nicht so weit in der Geschichte zurückgehen, um merkwürdige Zutaten im Bier vorzufinden. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren in einigen Teilen Deutschlands auch Zuckerrübenschnitzel, Kartoffelflocken, Hirse oder Zucker zugelassen. Die Vorschrift in der DDR erinnert teilweise sogar an das Equipment eines Chemielabors: Neben Reis- und Maisgrieß waren unter Anderem auch Salz, Tannin, Milchsäure, Kieselgelpräparate, Stärkecouleur, Natriumsacharin, Pepsinkonzentrat und Ascorbinsäure zugelassen. Auch wenn ähnliche Chemiebaukästen heute noch für die Produktion mancher Fertiglebensmittel genutzt werden: Ein kulinarisches Highlight braucht man bei diesen Zutaten nicht zu erwarten. Und sicher auch kein sonderlich gesundes, womit wir bereits beim nächsten Aspekt wären:

Ist Bier eigentlich gesund?

Diese Frage wird schon seit der Antike diskutiert. Zwar hat bereits Hippokrates das Bier als ein gesundheitlich wirksames Lebensmittel gepriesen und ihm viele positive Eigenschaften zugesprochen. Allerdings dürfte es nicht in seinem Sinne gewesen sein, wenn Menschen einen Bierkonsum bis um Vollrausch betrieben. Auch war es Hippokrates noch nicht möglich, der medizinischen Wirkung des Bieres auf den Grund zu gehen. Heute ist das Lieblingsgetränk der Deutschen natürlich bis ins kleinste Detail analysiert. Schwankungen und Unterschiede ergeben sich natürlich immer durch unterschiedliche Brauverfahren sowie durch Unterschiede bei Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser. Insgesamt klingt die Zusammensetzung des Bieres aber erst einmal positiv. So enthält Bier ein hohes Maß an B-Vitaminen wie Riboflavin, Pyridoxin, Panthenol und Niacin. Bier verbessert außerdem die Leistungsfähigkeit von Sportlern, fördert die Durchblutung des Gehirns und senkt das Herzinfarktrisiko. Eine amerikanische Studie zeigte außerdem, dass Bier das Wohlbefinden älterer Menschen mehr steigern kann als Psychopharmaka.

Allerdings: Die Dosis macht das Gift!

„Viel hilft viel“ ist beim Biergenuss zwar eine lecker klingende Regel, diese sollte hier aber keine Anwendung finden. Denn die Nachteile darf man auch nicht verschweigen: Zum einen regt Bier bei den meisten Menschen den Appetit an. Zwar führt der reine Biergenuss kaum zum typischen „Bierbauch“. Allerdings verleitet es die Menschen eben auch dazu, die Tüte Chips zu öffnen oder am Grillbuffet besonders hemmungslos zuzuschlagen.

Darüber hinaus enthält Bier natürlich auch Alkohol, den man nicht unterschätzen sollte. Für Frauen gilt eine tägliche Menge von 0,25 Litern Pils als unbedenklich, für Männer dürfen es 0,5 Liter sein. Generell sollte der Biergenuss (genau wie der Genuss von Alkohol insgesamt) aber eher eine Ausnahme sein. Das tägliche Feierabendbier wird kein Arzt gerne empfehlen.

Weitere negative Aspekte sind aktuell nicht bekannt. Zwar gibt es Vermutungen, dass Bier möglicherweise den Ausbruch mancher Krebsarten begünstigen könnte. Es gibt aber auch Forschungen, die das genaue Gegenteil behaupten.

Alkoholfreies Bier: Eine Alternative?

Der Beruf des Brauers ist nicht ohne Grund einer, den man über Jahre hinweg lernen muss und der immer wieder Fortbildungen verlangt. Anzunehmen ist dabei, dass sich tagtäglich hunderte Brauer alleine in Deutschland daran versuchen, das beste alkoholfreie Bier herzustellen. Denn während es beim alkoholhaltigen Bier tausende verschiedene Sorten gibt, unter denen wirklich jeder Biertrinker sein Lieblingsbier finden kann, scheinen sich die Brauer mit der alkoholfreien Alternative vergleichsweise schwer zu tun. Immer wieder durchstreife ich die Getränkemärkte auf der Suche nach neuen alkoholfreien Biersorten.

Das Ergebnis dieser Suche war vor Jahren komplett ernüchternd: Nach meinem eigenen Empfinden schmeckten alkoholfreie Biere damals stets, als hätte man ein Radler oder Alster ohne Zucker oder Süßungsmittel herstellen wollen. Manchmal hätte man sogar denken können, hier sei Spülwasser durch den Zusatz einiger Bierreste aromatisiert worden.

Heute scheinen die Brauer immerhin ein ganzes Stück vorangekommen zu sein. Zwar ist der leicht zitronige Geschmack nach wie vor vorhanden, langsam werden diese aber von herberen und malzigeren Noten verdrängt. Noch scheint es aber ein Wunschgedanke zu sein, ein wirklich malziges, gerne auch dunkles alkoholfreies Bier kaufen zu können. Überflüssig zu erwähnen, dass ein zuckersüßes Malzbier keine Alternative für ein solches Getränk sein kann.

Sollte es eines Tages soweit sein, dass alkoholfreies Bier geschmacklich nicht mehr von der alkoholhaltigen Variante zu unterscheiden ist, dürfte dies wohl einer Revolution gleichkommen. Und es würde den Pro-Kopf-Verbrauch von Alkohol schlagartig dramatisch senken. Mal schauen, wann es soweit ist.

Ist gutes Bier eine Frage des Preises?

Natürlich muss man nicht lange darüber philosophieren, welch ein Hochgenuss das 39-Cent-Dosenbier aus dem Discounter sein kann. Auf der anderen Seite findet sich eine ständig wachsende Zahl an Craft-Bieren, bei denen man für eine kleine Flasche manchmal 10 Euro oder mehr hinblättern kann.

Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte. Für ein gutes Bier dürfen es auch im Getränkemarkt 1 – 2 Euro je 0,5-Liter-Flasche sein – unabhängig davon, ob man lieber ein Pils, ein Helles, ein Dunkles oder ein Weißbier genießt. Bei Bieren aus den großen Brauereien muss man sich natürlich der Tatsache bewusst sein, dass man immer auch die großflächigen Werbemaßnahmen mitbezahlt.

Der neue Trend der Craft-Biere ist insgesamt recht sympathisch. Diese stammen in aller Regel aus Kleinstbrauereien, die manchmal nicht einmal profitorientiert sind. Aufgrund der notwendigen Handarbeit an Stellen, in denen die Großbrauereien längst automatisiert sind, können diese Biere natürlich nicht zu Schnäppchenpreisen angeboten werden. Dafür kauft man mit einem Craft-Bier immer auch ein Produkt mit Seele, das man sich ganz besonders gut schmecken lassen sollte. Der hohe Preis ist hier also als Pluspunkt zu werten: Ein Craft-Bier ist schlicht und ergreifend zu teuer, um sich damit hemmungslos zu betrinken. Was ebenfalls für das Craft-Bier spricht, ist die Sortenvielfalt. Die Mini-Brauereien sind häufig deutlich mutiger im Entwickeln neuer, spannender Biersorten. Vor allem durch die Züchtung einer großen Bandbreite an Aromahopfen könnten theoretisch auch die Platzhirsche etwas mutiger vorgehen. Allerdings setzt man dort eher auf Altbewährtes und greift neue Trends nur auf, wenn eine gewisse Beständigkeit erkennbar ist. Auch werden die bekanntesten Biere oft aus einem einfachen Grund getrunken: Man weiß, was man bekommt. Und man will hier auch als Konsument keine Experimente machen.

Welches Bier passt zum Essen?

Auch wenn Wein nach wie vor als typischer Begleiter zu gutem Essen gilt, greifen viele Menschen gerade im Sommer gerne mal zum Bier. Wenn man hier nicht bereits einen klaren Favoriten hat oder seinen Gästen nicht einfach irgendetwas vorsetzen möchte, hat man natürlich angesichts der großen Auswahl eine echte Qual der Wahl. Kein Wunder, dass es landesweit immer mehr Bier-Sommeliers gibt, die eine wachsende Zahl Interessierter in dieser Wahl unterstützen möchte. Dabei liegt es freilich auf der Hand, dass Geschmäcker auch hier verschieden sind. Gewisse Grundtendenzen lassen sich aber trotzdem erkennen.

Altbier: Das erfrischende, leicht herbe und manchmal etwas wässrige Bier gilt als guter Begleiter für Eintopf und Fleischgerichte wie etwa den Italienischen Gemüseeintopf oder Steaks .

Bockbier: Das im niedersächsischen Einbeck erfundene Bier wurde schon von Martin Luther geschätzt. Der Religionsstifter war auch als guter Esser bekannt und heutige Gourmets eifern ihm in diesen Hinsichten gerne nach. Dieses Bier passt ebenfalls zu kräftigen Wildgerichten wie dem Rehrückenbraten, Eintöpfen und anderen Fleischgerichten.

Dunkles Bier: Dieses wenig gehopfte Bier begeistert mit seiner süßlichen, malzigen Note. Neben einem Hackbraten wird es auch zu gebratenem Fisch oder zu bayrischen Schmankerln geschätzt.

Export: Das malzige, manchmal etwas wässrige Export-Bier passt toll zu leichten Salaten und allem, was aus dem Meer kommt.

Helles Hefeweizen: Schon solo ist dieses Bier ein Klassiker in jedem Biergarten. Denn es begeistert mit spritzigen, erfrischenden Noten, die übrigens auch toll zu Salaten, vegetarischen Gerichten und Sushi passen.

Dunkles Hefeweizen: Dieses Bier ist für Weizentrinker das, was das dunkle Bier für alle anderen Biertrinker ist. Auch hier dominieren kräftige Malzaromen, die das Bier zum optimalen Begleiter von Gebratenem machen. Es passt aber auch toll zu einer typisch bayrischen Brotzeit.

Kristallweizen: Geschmacklich ist es dem Hefeweizen recht ähnlich. Bier-Sommeliers empfehlen es aber als die bessere Wahl, wenn es um ein Bier zu scharfen Gerichten geht.

Pils: „Herr Ober, ein Bier bitte!“ Auf diese Bestellung hin bringen viele Servierkräfte dem Gast gerne ein Pils (um sich manchmal in Diskussionen zu verstricken, ob es sich bei einem Pils wirklich um ein „Bier“ handelt). Für die meisten Menschen ist es aber der Volkswagen unter den Bieren: Es ist vollmundig, stark gehopt, spritzig-frisch und lässt doch malzige Anklänge erkennen. Kein Wunder, dass sich die meisten Biertrinker auf ein Pils einigen können. Beim Essen passt es zu asiatischen Gerichten ebenso wie zu scharfen südamerikanischen Speisen. Aber hier rümpft auch niemand die Nase, wenn man es zum Schnitzel genießt.

Welches Bier passt im Essen?

Bier ist nicht nur ein toller Begleiter zum Essen, sondern manchmal auch eine Zutat für die Speisen selbst. Das wissen sogar viele Menschen, die sich aus dem Bier als Getränk eigentlich nicht viel machen. Auf der Hand liegt natürlich, dass man nicht für jedes Gericht jedes x-beliebige Bier verwenden sollte. Zwar ist zum Beispiel ein Pils recht vielseitig und fügt sich daher in viele Rezepte ziemlich gut ein. Trotzdem ist es sinnvoll, schon beim Einkauf das richtige Bier zu besorgen. Als Faustregel gilt dabei die Trinkempfehlung: Was zum jeweiligen Essen passt, schmeckt auch als Zutat im Essen.

Bier im Essen: Ist das kindgerecht?

Oft hört und liest man, dass Alkohol durch das Kochen beziehungsweise anderweitiges Erhitzen komplett neutralisiert wird. Dies ist allerdings nur eingeschränkt der Fall: Ein Teil des Alkohols verflüchtigt sich tatsächlich, trotzdem bleiben weite Teile weiterhin erhalten. Der in der Vorweihnachtszeit so geliebte Glühwein ist dafür ein gutes Beispiel. Beim Bier lässt sich folgendes festhalten: Wer sein Grillgut mit einem Schluck aus der Flasche aromatisiert, kann selbiges problemlos auch den lieben Kleinen anbieten, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Und auch bei Biersoßen ist das Bier nur in wenigen Fällen der Hauptbestandteil. Trotzdem ist ein geringer, aber messbarer Alkoholanteil nicht zu leugnen. Fast alle Mediziner halten diesen zwar insgesamt für so gering, dass sie auch Kleinkindern diese Speisen bedenkenlos anbieten. Wer den Alkohol aber ganz konsequent von seinem Nachwuchs fernhalten möchte, der entscheidet sich entweder für ein alkoholfreies Rezept oder setzt auf ein alkoholfreies Bier. Im Schmorhuhn etwa wird alkoholfreies Malzbier verwendet. Nach meinem Geschmack ist Malzbier zwar untrinkbar, kann hier aber seine aromatischen Stärken perfekt ausspielen.

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Von: Anno Stock
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