Wie gesund ist Milch

Die Milch macht’s! Macht’s die Milch?

Milch macht müde Männer munter. In meinem Fall gilt aber, wie in jenem von unzähligen weiteren Betroffenen: Milch macht meinem Magen Malessen. Da hilft es auch nichts, wenn freundliche Menschen auf die positiven Eigenschaften von Milch hinweisen: Laktoseintoleranz ist zwar, soweit jedenfalls der aktuelle Stand der Forschung, nicht gefährlich. Unangenehm ist sie trotzdem – aber dazu später mehr.

Ist Milch wirklich so gesund?

Zuerst einmal sei gesagt, dass sich die Gelehrten bereits seit Jahren eine regelrechte Schlammschlacht liefern, ob Milch nun gesund oder ungesund sei. Fakt ist, dass sie mit einem Anteil von rund 3,5 Prozent relativ fettig ist. Kritiker führen ins Feld, dass es sich dabei um gesättigte Fettsäuren handele, denen kein guter Ruf vorauseilt. In einer aktuellen Arbeit fasste Professor Bernhard Watzl, Leiter des Instituts für Physiologie und Biochemie der Ernährung am Max Rubner-Institut in Karlsruhe, gemeinsam mit seinem Team rund 200 Studien aus verschiedenen Ländern zusammen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei konnte insgesamt Entwarnung gegeben werden: Ein erhöhter Milchkonsum kann das Risiko, an Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Problemen oder bestimmten Krebsarten zu erkranken, deutlich senken. Auch das Schlaganfallrisiko wird reduziert. Zudem sinkt der Blutdruck und die Knochendichte steigt. Negative Effekte sind laut Watzl nur in einem Punkt zu nennen: Wenn Männer über einen langen Zeitraum sehr viel Milch trinken (deutlich über einen Liter täglich), so steigt wahrscheinlich ihr Risiko, eines Tages an Prostatakrebs zu erkranken.

Einige dieser gesundheitlich wirksamen Aspekte lassen sich durch die messbaren Inhaltsstoffe klar belegen. Vor allem wird Milch immer als guter Kalzium-Lieferant bezeichnet. An anderen Stellen tappt auch die Wissenschaft noch vollkommen im Dunkeln. Milch ist eine derart komplex zusammengesetzte Flüssigkeit, dass auch die Fachleute noch viele Jahre für die Entschlüsselung brauchen werden.

Man darf allerdings nicht vergessen, dass Milch eben den eingangs erwähnten Fettanteil hat. Hinzu kommen der Milchzucker und weitere kalorienreiche Stoffe. Milch macht also satt und versorgt den Körper mit vielen Vitaminen und Mineralstoffen. In einem gewissen Grad macht sie aber auch dick. Für fettarme Milch gilt das freilich etwas weniger, dafür schmeckt diese aber auch nicht so intensiv. Und noch heute ist der Geschmack für viele Menschen der entscheidende Grund, überhaupt Milch zu trinken.

Ist Laktoseintoleranz nur eine neumodische, eingebildete Marotte?

Betroffene können ein Liedchen davon singen, wie oft sie zu eingebildeten Kranken gestempelt werden. Inzwischen weiß man aber, dass sogar die Gletschermumie Ötzi zu Lebzeiten unter Laktoseintoleranz litt. Damit bestätigt sich, was die Wissenschaft schon lange behauptet: Kinder verfügen über ein bestimmtes Enzym, das zur Verdauung von Laktose (die auch in der Muttermilch vorkommt) notwendig ist. Bei Erwachsenen ist dieses Enzym oft nicht mehr nachweisbar, daher kommt es bei der Verdauung von Milch und Milchprodukten zu Problemen. Meist zeigen sich diese in einem Magengrummeln, Aufstoßen, Blähungen, manchmal sogar in Durchfall oder Erbrechen. Oft hat sich dies nach einer Stunde bereits wieder erledigt, doch bis dahin ist es alles andere als spaßig.

Was kann man bei Laktoseintoleranz essen beziehungsweise trinken?

Laktoseintoleranz hat unterschiedliche Ausprägungen. Allerdings darf sie nicht mit einer Allergie oder einer gesundheitlich bedenklichen Unverträglichkeit verwechselt werden. Während Menschen mit Laktoseintoleranz nach dem Konsum von Milch also „nur“ mit temporären Verdauungsproblemen leben müssen, können Allergiker manchmal schon durch einen einzigen Bissen in Lebensgefahr geraten. Oft wird bei der Laktoseintoleranz auch übertrieben: Käse enthält wenig Laktose und kann daher meistens bedenkenlos gegessen werden. Das gilt natürlich auch für Speisequark, wie er etwa für Kräuterquark benötigt wird. Ansonsten gilt bei Milchprodukten die Trial-and-Error-Strategie: Bei mir hat bereits ein Schuss Milch im Kaffee eine durchschlagende Wirkung, während mir ein (!) Stück Schwarzwälder-Kirsch-Torte normalerweise keine Probleme macht. Was manche Lebensmittelhersteller machen, ist allerdings albern: Warum muss man auf einen Schokoaufstrich in großen Lettern „laktosefrei“ drucken oder einen Schwarzwälder Schinken mit „laktosefrei“ und „glutenfrei“ deklarieren? An solchen Stellen werden Konsumenten wirklich für extrem dumm verkauft.
Kommen wir zum wichtigsten Punkt: Gibt es eine brauchbare Alternative zu Milch? Solche Alternativen finden sich mittlerweile in jedem Supermarkt und in fast jedem Discounter. Entweder kann man im Kühlregal zu laktosefreier Milch greifen oder in dessen Nähe zu Tetrapacks mit Soja-, Reis-, Hafer-, Kokos- oder Mandeldrink. Leider gilt bei all diesen Produkten, dass sie teurer sind als Milch. Und leider muss man auch hier mit unfairen Praktiken der Hersteller rechnen. So ist der Mandeldrink mit bis zu 3 Euro pro Liter zumeist am teuersten. Vermutlich sollen die Verbraucher denken, dass Mandeln ja auch teurer seien als Hafer oder Sojabohnen. Bei einem Anteil von etwa 3 bis 10 Prozent im Endprodukt (je nach Hersteller) können die Rohstoffpreise aber nicht dermaßen zu Buche schlagen.

Für die meisten Menschen mit Laktoseintoleranz sollten die folgenden Tipps aber dabei helfen, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, man aber trotzdem ein so gesundes wie genussreiches Leben führen kann.

  • Zum Kochen, Braten oder Backen kann man häufig normale Milch verwenden. Jedenfalls dann, wenn ohnehin nur eine geringe Menge benötigt wird.
  • Wenn man für die o.g. Zubereitungsformen größere Mengen an Milch benötigt, bietet sich laktosefreie Milch an. Diese ist meist etwas billiger als die erwähnten, pflanzlichen Ersatzprodukte. Und da es sich ja um „echte“ Milch handelt, hat sie auch beim Kochen, Braten oder Backen keine anderen Eigenschaften als ihre laktosehaltige Schwester.
  • Müsli oder Frühstücksflocken schmecken mit pflanzlichen Ersatzprodukten genauso gut wie mit Milch. Auch Milchshakes oder Quarkspeisen können gut mit diesen Drinks angerührt werden, ohne dass der Geschmack darunter leidet.

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Von: Anno Stock
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