Die Apotheke aus der Natur

Die Natur ist die beste Apotheke

Wer am frühen Abend den Fernseher einschaltet, kann der Werbung für Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel nicht ausweichen. Auffällig ist dabei, wie oft Pflanzen dabei eine Rolle spielen. Lavendel beruhigt, Kürbis hilft gegen erhöhten Harndrang, Ginkgo soll die geistige Leistungsfähigkeit aufrechterhalten und Aloe Vera macht schöne Haut. Einige dieser Aussagen basieren lediglich auf Vermutungen, andere indes sind wissenschaftlich belegt. Fakt ist auch, dass die Pflanzenwelt eine wahre Schatztruhe ist, die auch Pharmakologen erst in Ansätzen durchforstet haben. Umso schlimmer ist es, dass durch die Abholzung tropischer Regenwälder mit Sicherheit ein großer Teil dieses Schatzes unwiederbringlich verlorengeht.

Bei einigen Pflanzen ist nicht nur die medizinische Wirksamkeit erwiesen: Sie sind zudem auch noch richtig lecker und finden als Gewürze daher den Weg in zahllose Küchen. Die folgenden Gewürze sollten daher in eigentlich keiner Küche fehlen – es sei denn, man kann ihr Aroma nicht ausstehen. Wichtig: Auch wenn die Wirkung dieser Gewürze wissenschaftlich bestätigt wurde, ersetzen sie bei Krankheit nicht den Gang zum Arzt.

  • Zimt: Zuerst einmal ist Zimt natürlich ein echter Seelentröster. Was kann es Schöneres geben, als am Abend eines grauen, schmuddeligen Wintertages eine Schale Milchreis oder Grießbrei mit Zucker und Zimt zu löffeln? Auch im Glühwein ist er ein unverzichtbarer Bestandteil und sorgt dafür, dass uns das winterliche Heißgetränk so gut schmeckt.
    Erwiesen ist aber auch, dass Zimt den Magen beruhigt, allgemein verdauungsfördernd ist und den Appetit anregt. Neue Forschungen deuten auch an, dass Zimt den Blutzuckerspiegel regulieren und deshalb für Diabetes II – Patienten interessant sein kann. Allerdings bedeutet das nicht, dass eine Zimt-Zucker-Mischung deshalb besonders gesund ist. Schade, oder?
  • Ingwer:
    Ingwer gehört wohl zu den Gewürzen, bei denen sich zwei klare Fraktionen bilden. Kaum jemand hat ein neutrales Verhältnis zu der aromatischen Wurzel, die in tropischen und subtropischen Regionen Asiens beheimatet ist: Entweder man liebt sie oder man hasst sie. In Großbritannien findet sie schon seit langer Zeit den Weg auf den Tisch, weil man sie dort traditionell als Bestandteil spezieller Kekse nutzt. Bei uns erfreut sich Ingwer aber auch wachsender Beliebtheit in asiatischen Gemüsegerichten, Salaten oder Chutneys. Zudem lässt sich die Ingwerwurzel in Scheiben schneiden und mit heißem Wasser aufgießen, um einen sehr aromatischen Tee zu erhalten.
    Ein Teil der Wirkung von Ingwer fällt in den Bereich der ayurvedischen Medizin, die nicht immer wissenschaftlich belegt werden kann. Sicher ist aber, dass Ingwer gegen die Reisekrankheit, Übelkeit, Schwindel und Erbrechen wirken kann. Er wirkt positiv auf die Verdauungsorgane, regt den Stoffwechsel an und stärkt das Immunsystem. Ob die weiteren Heilkräfte des Ingwers tatsächlich gegeben sind, wird noch erforscht. Schaden kann Ingwer jedenfalls nicht – sofern man es mit seinem Konsum nicht übertreibt.
  • Chili:
    Für Oma war die scharfe Paprikaschote aus Südamerika noch neumodischer Schnickschnack, der an den guten alten Pfeffer nicht herankam. Allenfalls hatte sie im Gewürzregal das fein gemahlene Paprikapulver der Sorte „Rosenscharf“ einsortiert, damit war die Sache mit der Chilischote aber bereits abgehandelt. Inzwischen wissen wir, dass die Chilischote zum Würzen oft sogar besser ist als der Pfeffer, da es sie in unzähligen Varianten und Schärfegraden gibt. Wer es also pikant mag, ohne dabei zu viel pfeffriges Aroma ins Essen zu streuen, ist mit einer scharfen Chilischote wie der Habanero besser bedient.
    Verständlicherweise ist bei der Verwendung von Chili Vorsicht geboten, denn ein Essen kann auch schnell dermaßen scharf werden, dass es geradezu ungenießbar ist. Außerdem kann das für die Schärfe verantwortliche Capsaicin die Schleimhäute von Mund, Speiseröhre und Magen angreifen. Wer Chili aber vorsichtig dosiert beziehungsweise die Dosis langsam steigert, findet in ihr ein tolles, medizinisch wirksames Gewürz. Chili regt die Verdauung an, wirkt positiv auf das Immunsystem und kann möglicherweise sogar der Entstehung gefährlicher Blutgerinnsel vorbeugen.
  • Kurkuma:
    Die Gelbwurzel trägt wesentlich dazu bei, dass asiatische Gerichte eine so sattgelbe Färbung erhalten. Tatsächlich hat Kurkuma auch außerhalb der Kulinarik einen nicht unerheblichen Stellenwert durch seine Färbekraft. Allerdings täte man dem Kurkuma Unrecht, wenn man ihn auf diesen Aspekt reduzieren würde. Denn Kurkuma bietet ein wahres Feuerwerk an Aromen, auch wenn diese bei richtiger Dosierung nicht alles dominieren. Der Geschmack erinnert an Ingwer und Pfeffer, hat aber auch eine feine Süße und eine leichte Bitternote. Auch als Bestandteil von Currymischungen ist Kurkuma unverzichtbar.
    Kurkuma gilt als zellschützend und antioxidativ und soll auch die Funktionen der Leber stärken. Recherchiert man online etwas weiter über Kurkuma und seine Heilwirkung, so findet man eine riesige Liste. Sicher wird einiges davon wissenschaftlich nicht haltbar sein. Klar ist aber: Kurkuma ist gesund und schmeckt dabei richtig lecker.
  • Kümmel:
    Wenn man in die Zutatenlisten typisch deutscher Gerichte schaut, so scheint der Kümmel hierzulande das beliebteste Gewürz zu sein. Er gibt Sauerkraut, Krautsalat und Schweinebraten das gewisse Etwas, steckt aber auch in Käse wie dem Obazda und in diversen Brotsorten.
    Kümmel ist aber auch ein Synonym für einen Magenbitter, womit seine medizinische Wirkung auch bereits angedeutet ist. Tatsächlich ist sein ätherisches Öl eine Wohltat für den Magen und hilft gut bei der Verdauung. Allerdings muss man ihn nicht zwingend in alkoholischer Form konsumieren: Entweder steckt er tatsächlich als Komponente im Essen oder er wird als Tee aufgegossen. Im zweitgenannten Fall mischt man ihn dann gerne mit anderen Verdauungshelfern wie Anis, Fenchel oder Kamille. In einem asiatischen Restaurant konnte ich vor einigen Jahren sogar erleben, dass eine kümmelhaltige Gewürzmischung quasi als eine Art Knabberei nach dem Essen gereicht wurde. In dieser Form fand ich das allerdings mehr als gewöhnungsbedürftig.
  • Gewürznelken:
    Zugegeben, es ist nicht immer eine große Freude, auf eine Gewürznelke zu beißen – es sei denn, man hat Zahnschmerzen. Aber dazu später mehr. Der süße, pfeffrige Geschmack der Gewürznelke macht sie zu einem überaus beliebten Gewürz, das in zahlreichen Speisen zu finden ist. Beispiele dafür sind der Rotkohl und die eingemachten Birnen. Wahrscheinlich kennt hier jeder noch eine ganze Reihe weiterer Beispiele. Allerdings gibt die Gewürznelke immer nur einen Teil ihres kräftigen Aromas ab. Wenn eine Nelke also mit auf den Löffel beziehungsweise die Gabel gerät, so bekommt man geschmacklich die volle Dröhnung ab.Womit wir wieder bei den Zahnschmerzen wären, denn dieses starke Aroma liegt am enthaltenen ätherischen Öl. Dessen schmerzlindernde Wirkung ist bereits seit Jahrhunderten bekannt. Da es auch entzündungshemmend wirkt, ist Nelkenöl auch Bestandteil vieler Mittel gegen Zahnfleischentzündungen. Viele Forscher weisen zudem gerne auf die Antioxidantien hin, die in der Gewürznelke enthalten sind.
  • Rosmarin:
    Für das Aroma des mediterranen, inzwischen aber auch vermehrt bei uns beheimateten Gewürzkrautes gibt es 1001 Beschreibungen. Hier ist ein leicht zitroniges Aroma zu schmecken, aber auch Anklänge von Weihrauch, Fichtennadeln und Kampfer. In Südeuropa ist der Rosmarin ein elementarer Bestandteil eines jeden Pizzagewürzes und findet auch sonst Einzug in jede Küche. Auch die berühmten Kräuter der Provence kommen nicht ohne Rosmarin aus. Bei uns kann sich der Rosmarin vor allem in Form der beliebten Rosmarinkartoffeln beweisen. Lecker ist es auch, wenn man beim Focaccia bereits vor dem Backen einen Zweig frischen Rosmarins auflegt. Bereits beim Backen geben die Nadeln einen großen Teil ihres Aromas ab. Wer es noch aromatischer mag, kann außerdem die Nadeln vor dem Essen von Rosmarinzweig abstreifen.Die medizinische Wirksamkeit von Rosmarin kannte bereits die mittelalterliche Klostermedizin. Insbesondere bei Magenproblemen und Blähungen ist Rosmarin wirksam, soll aber auch bei Asthma Rheuma und Erkältungskrankheiten ein guter Helfer sein. Daher findet sich Rosmarinöl auch in den Inhaltsstoffen vieler Hustensäfte.
  • Thymian
    „Schmeckt wie Hustensaft!“ So oder so ähnlich lautet eine häufig genannte Beschreibung des Thymian-Aromas – und natürlich ist das nicht immer als Kompliment gemeint. Die ätherischen Öle des Thymians verleihen ihm, je nach Sorte, aber tatsächlich ein Aroma, das an Kräutertee oder eben Hustensaft erinnert. Manche schmecken etwas Minziges aus ihm heraus, manche betonen auch die zitrusähnlichen Anklänge. In der deftigen Küche kommt er daher meistens nicht alleine daher, sondern in Verbindung mit anderen mediterranen Kräutern wie Oregano, Basilikum, Majoran oder Rosmarin. Oft findet man ihn in den Kräutern der Provence, aber auch im Pizzagewürz ist er ein gern gesehener und gern geschmeckter Bestandteil.
    Zurück zur medizinischen Wirkung. Der antiseptisch wirkende Inhaltsstoff Thymol wurde erst im 18. Jahrhundert nachgewiesen, trotzdem kannte man schon zuvor die heilende Wirkung des Thymians. Insbesondere bei Hauterkrankungen und entzündlichen Erkrankungen der Atemwege war und ist der Thymian nahezu unverzichtbar. Auch bei Kräuterbonbons ist Thymian maßgeblich verantwortlich für den Geschmack und das wohlige Gefühl im Mund.
  • Kardamom:
    Kardamom ist hierzulande ein typisches Wintergewürz. Seine süßliche Schärfe erinnert teilweise an Ingwer, Pfeffer, Safran, Sternanis und Gewürznelken, daher harmoniert er auch besonders gut mit diesen Gewürzen. In Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und Spekulatius findet man ihn daher am häufigsten. Im Orient hingegen ist Kardamom auch für deftige und pikante Speisen ein gern genutztes Gewürz.
    In der Phytotherapie schätzt man die positive Wirkung des Kardamoms als die Verdauung. Außerdem wirkt er harntreibend und entkrampfend. Die Beobachtung, dass er auch als Energiebooster für Gedächtnisleistung und Konzentration genutzt werden kann, ist wissenschaftlich zwar noch nicht abschließend geklärt. In diversen Versuchen wurden Menschen aber in eine Prüfungssituation versetzt und zuvor aufgefordert, auf eine Kardamomkapsel zu beißen. Dabei zeigte sich im Vergleich zu einer Kontrollgruppe tatsächlich eine verbesserte Gedächtnisleistung der Probanden.
  • Knoblauch:
    Zwar ist Knoblauch aufgrund seines unverkennbaren Geruchs ein nicht ganz unumstrittenes Gewürz. Dafür ist er aber auch besonders lecker und verleiht deftigen Gerichten den besonderen Kick. Er harmoniert bestens mit fast allen Fleischgerichten, fügt sich aber auch bestens in die vegetarische Küche ein. Gerade bei vegetarischen Gerichten verfügt er um so viel Power, dass er die deftigen Fleischaromen sogar weitgehend ersetzen kann.
    Natürlich ist auch die medizinische Wirkung von Knoblauch erwiesen, daher findet man ihn längst auch in Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln. Er ist positiv für Magen und Darm, bringt den kreislauf in Schwung und senkt den Cholesterinspiegel. Außerdem kurbelt er das menschliche Immunsystem an.

Klar, dass es sich bei dieser Liste nur um eine Auswahl von Kräutern und Gewürzen handelt, die sowohl aromatisch als auch gesundheitlich wirksam sind. Und Geschmäcker sind verschieden, daher sollte hier jeder seine eigene Auswahl treffen. Allerdings macht es keinen Sinn, hier nur die eigene Gesundheit im Blick zu haben und die Gewürze danach auszuwählen. Denn auch die gesunde Küche sollte in erster Linie dem Gaumen schmeicheln und den Hunger bekämpfen. Toll, wenn das Lieblingsgericht dann auch noch zu Gesundheit und körperlichem wie geistigem Wohlbefinden beiträgt. Dieser Aspekt sollte aber nicht zur Hauptsache werden.


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Von: Anno Stock
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