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Das Auge isst mit: Essen schön anrichten

Ein rundum gelungenes Gericht lässt sich nicht nur an der Wahl qualitativ hochwertiger Zutaten und an ihrer kompetenten Verarbeitung erkennen. Auch die Art der Präsentation entscheidet darüber, ob der potenzielle Esser begeistert oder ablehnend auf das Essen reagiert. Dabei ist es gar nicht so schwierig, Speisen dekorativ anzurichten. Man muss nur wissen, wie.

Die Wahl der richtigen Teller

Wer kennt sie nicht, die folgenden zwei Bilder: Der viel zu kleine Buffet-Teller, auf dem sich die Essensberge unkoordiniert und hochgradig absturzgefährdet türmen? Oder den unglaublich präzise, aber ebenso leeren Teller beim 7-Gänge-Menü im 5-Sterne-Restaurant? Für ein gelungenes Essen zu Hause liegt die Wahrheit wohl genau in der Mitte. Oder mit anderen Worten:

Die Tellergröße sollte proportional zur Essensmenge passen. Als Faustformel gilt dabei, dass etwas 2/3 der Tellerfläche für das Essen reserviert sind. Ohne, dass der Teller dabei überladen wirkt.

Ein freier und sauberer Rand erhöht den positiven Eindruck zusätzlich und lenkt das Auge der betrachtenden Person zügig und gekonnt auf die Speisen. Es sei denn, die Wahl fällt auf Teller mit extravaganten, beispielsweise geschwungenen Formen. In diesem Fall ist eine längere Teller-Betrachtung natürlich erwünscht und wird durch ein geradlinige Anrichte-Weise des Essens zusätzlich provoziert. Apropos Provokation: Auch die Farbe und das Muster der Teller können unterschiedliche Reaktionen des Betrachters hervorrufen: Während Teller in warmen, aber nicht zu kräftigen Farben den Hunger anregen, wirken sich kühlere Farben wie Blau appetitdämpfend aus. Wer also von sich aus etwas weniger essen möchte, kann sich selbst mit blauen Tellern mengenmäßig ein wenig austricksen. Helle, insbesondere weiße Teller sind der Geschirr-Klassiker schlechthin und lassen die Formen, Farben und ihre Kontraste beim Essen besonders stark hervortreten. Aber auch nur, wenn kräftige Farben benutzt werden. Helle Kartoffeln mit cremefarbener Soße und wenig gebräuntem Hähnchenfleisch machen daher auf einem weißen Teller nicht viel her. Anders sieht es dabei mit dunklen Tellern aus, wobei hier dann eben die dunkle Bratensoße verschwindet … Last but not least: Das Muster der Teller. Starke Muster lenken eher vom Essen ab als dezente Linien oder der komplette Verzicht auf Muster. Ein Mittelding stellen weiche Farbverläufe innerhalb eines Farbtons dar. Vielleicht ja ein guter Kompromiss, wenn es nicht gleich ganz uni sein soll?

Die perfekte Menge an der idealen Stelle

Wie im Sinne der 2/3-Regel angedeutet, sind weder ein überquellender noch ein sehr überschaubar befüllter Teller ideal. Das bedeutet gleichzeitig, dass eine gleichmäßige Verteilung des Essens über die zu nutzende Fläche deutlich besser wirkt als das meterhohe Quetschen in eine kleine Ecke. Dennoch sprich nichts dagegen, wenn einzelne Stellen trotzdem durch einen gewissen Anstieg in der Höhe betont werden. Ein Packen kleiner Röstitaler, Tomate-Mozzarella-Türmchen oder Reissäulen machen sich immer gut und laden zum Spiel mit unterschiedlichen Höhen ein. Ein elegant dagegen gelehntes oder darauf drapiertes Stück Fleisch oder Fisch – schon sieht es gleichermaßen gekonnt wie gewollt aus. Zum Thema Fleisch oder Fisch: Bei ganzen Braten oder ebensolchen Fischen macht es natürlich besonders viel her, wenn sie auf einer separaten Platte serviert und am Tisch portioniert werden. Allerdings kann das Ganze selbstredend auch in der Küche geschehen – sicherlich beschwert sich niemand über gut geschnittene Fleischscheiben …. Lange Rede, kurzer Sinn:

Gesucht wird ein Teller, auf dem das Auge die Speisebestandteile überblicken kann und bei dem sich der Magen gleichermaßen auf die ersten und letzten Bissen freut.

Wozu gerade die einzelnen Komponenten selbst einen großen Teil beitragen können …

Ganz schön clever: Sich selbst dekorierende Speisen

Warum kompliziert, wenn es im Grunde auch einfach geht? Schon auf den Punkt zubereitete Zutaten mit ansprechenden Konsistenzen sorgen dafür, dass der Appetit steigt: Fleisch mit krosser brauner Haut oder Kruste, knackig-grünes oder rotes Gemüse und satte Farben bei den Soßen … Wer kann da ernsthaft widerstehen?! Zusätzlich noch hübsch auf dem Teller drapiert, steigt das Level noch einmal. Dafür bietet es sich beispielsweise an,

  • Fleischscheiben fächerförmig anzurichten,
  • Kartoffel- oder Gemüsepürees mithilfe eines Spritzbeutels zu kleinen Krönchen zu spritzen,
  • Püree, Reis oder Risotti per Speiseringen zu formen und
  • Soßen per Löffel in Linien zu ziehen oder mit Spritzbeuteln Tupfen zu setzen.

Wichtig dabei: Nicht übertreiben und lieber nur wenige Eyecatcher platzieren. Ansonsten verliert der Teller inklusive Speise den Charme des Besonderen bei gleichzeitiger Übersichtlichkeit.

Wodurch also schon ein gut gebratenes Steak mit knusprig-rustikalen Kartoffelpuffern und einer wellenförmigen Kräuterbutter-Flocke absolut anbetungswürdig erscheinen kann. Apropos Die-Welle-Machen: Messer mit Wellenschnitt, Julienneschneider und Ausstechförmchen machen aus Butter und Gemüse im Handumdrehen ebenfalls echte Hingucker. Was im gleichen Maße für gefrorene Beeren oder kandierte Zitrusfrucht-Scheiben für Desserts gilt.

Die i-Tüpfelchen …

… bilden ganz am Ende die Toppings. Wobei die Auswahl an dieser Stelle quasi unerschöpflich ist:

  • Frische Kräuter,
  • Käseraspeln,
  • Schinken- oder Brotwürfelchen,
  • Schokolade,
  • Müsli,
  • essbare Blüten –

all diese Varianten kommen bei pikanten beziehungsweise süßen Gerichten genauso infrage wie eine elegante Soße.

Entscheidend ist lediglich, dass es sich wirklich nur um ein kleines und feines Detail handelt, das das Essen abrundet.

Schließlich möchte niemand von einem überdimensionalen Topping erschlagen werden. Bestes Beispiel ein Schokoküchlein: Auf einen mithilfe von Papierzuschnitten raffiniert geformten dünnen Puderzuckerspiegel gesetzt – zum Anbeißen. Was auch auf eine leichte Puderzuckerhaube und einen Strang Johannisbeeren oder ein paar Erdbeerscheiben zutrifft. Unter einem Berg von Puderzucker begraben, ist die Deko-Chance dann aber leider vertan …

Fazit

Es ist kein Mysterium, Speisen auf Tellern hübsch anzurichten. Mit ein wenig Sinn für das Farben-, Formen- und Mengenspiel bei Tellern und Speisen gelingt es sogar relativ schnell. Und schon macht das Essen gleich doppelt so viel Spaß und mindestens genauso glücklich. Wenn das kein guter Deal ist?!


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Von: Anno Stock
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