Gut Kirschenessen im Sommer

Kirschen gehören zum beliebtesten einheimischen Sommerobst, wenngleich ihre Ursprünge eigentlich in den wilden kaukasischen Vogelkirschbäumen lagen. Wie gut also, dass sie bald in Kleinasien gezielt angebaut und kultiviert und von den Römern auch nach Mittel- und Westeuropa mitgenommen werden. Noch heute wachsen Kirschen daher vor allem in Europa, inzwischen aber auch verstärkt in Nord- und Südamerika.

Und dass die gezielte Züchtung einen weitreichenden Erfolg hatte, beweist die große Bandbreite an verschiedenen Sorten: Etwa 250 Sauerkirsch- und gut 500 Süßkirsch-Arten konkurrieren mithilfe von süßeren und säuerlicheren Aromen um die Gunst der menschlichen Naschkatzen. Aber warum sich nur für eine Variante entscheiden, wenn man auch mehrere haben kann?

Erst Süßes, danach gibt’s Saures

Als Erstes stehen im Jahresverlauf auf die Süßkirschen auf dem Programm. Sie sind ab ungefähr Juni, manchmal sogar schon ab Ende Mai an den Bäumen zu finden. Die ersten sind die saftigen Herzkirschen, die ihren Namen tatsächlich ihrer Form verdanken. Sie sind ideal für alle Fans von etwas weicheren Süßkirschen, während die Liebhaber(innen) von Knorpelkirschen mit etwas festerem Fleisch noch ein wenig warten müssen. Dafür stehen diese dann oft bis in den August hinein zur Verfügung.

Übrigens: Sowohl Herz- als auch Knorpelkirschen sind in den verschiedensten Farbnuancen zu haben. Und da die Palette von Gelb über Gelb-Rot, Hellrot und Dunkelrot bis hin zu nahezu Schwarz reicht, sollte man sich unbedingt darüber schlau machen, mit welcher Variante man es zu tun hat. Nicht, dass der beste Pflückzeitpunkt in der falschen Hoffnung auf einen noch zunehmenden Rötungsgrad der Kirschen verpasst wird.

Die Süßkirschen-Zeit ist um und alle kleinen Leckereien wurden erfolgreich von den Bäumen geholt? Ist jetzt wirklich wieder fast ein ganzes Jahr Warten angesagt? Angenehmerweise nicht, denn nun bricht die Stunde der Sauerkirschen an. Sie wachsen zwar erst etwa später, kommen mit geringeren Temperaturen aber besser zu Recht und gedeihen daher in kühleren Gegenden ebenfalls gut. Aufgrund ihres deutlich höheren Fruchtsäuregehalts sind sie etwas bis deutlich saurer als ihre süßen Schwestern. Besonders bekannt sind unter ihnen natürlich die Schattenmorellen, die gerne für Marmeladen oder einen saftigen Kirschkuchen verwendet werden.

Nicht nur lecker, sondern auch gesund!

Aufgrund von vergleichsweise wenig Kalorien eignen sich Kirschen auch für figurbewusste Obstfreund(inne)n vergleichsweise gut. Ihr Vitamingehalt ist zwar nicht bombastisch, aber knapp 15 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm und die Bandbreite an anderen Vitaminen und Mineralstoffen (B-Vitamine, Calcium, Eisen, Folsäure, Kalium und Magnesium) sind schon recht passabel.

Besonders positiv wirken sich aber die in ihnen enthaltenen Anthoncyane aus. Die insbesondere in Sauerkirschen befindlichen natureigenen Farbstoffe schützen vor Entzündungen, halten vorzeitige Alterungsprozesse auf und sind möglicherweise auch für den Krebsschutz zuständig. 

Leider muss vor dem Verzehr von Kirschen aber auch darauf hingewiesen werden, dass sie vor dem Verzehr möglichst gründlich gewaschen werden sollten. Zwar ist es kein Problem, Kirschen vom Baum des Bio-Bauern nebenan einfach so aus der Hand zu naschen. Doch beim konventionellen Anbau von Kirschen setzen viele Bauern immer noch Pestizide ein. Und die möchte man ja nun wirklich nicht mitessen.

Vertragen sich Wasser und Kirschen wirklich nicht?

Die Frage, inwiefern sich Wasser und Kirschen vertragen, ist so alt wie die Menschheit. Gleichzeitig haben wir sicherlich alle Eltern, Großeltern oder andere ältere Verwandte, die den gefühlten Eindruck erweckt haben, dass man nach dem Essen von drei Kirschen und zwei Wasserschlucken einen schrecklichen Tod sterben könnte.

Tatsächlich ist es kein Problem, einige Kirschen zu essen und gleichzeitig ein Glas Wasser zu trinken. Allerdings sollte es bei den Kirschen nicht deutlich mehr als ein Pfund (500 Gramm) sein. Denn bei der Verdauung der Kirschen entstehen durch den Vergären des in den Kirschen enthaltenen Zuckers Alkohol und Kohlendioxid. Und letzteres kann zu Blähungen führen – zumal eine durch viel Wasser stark verdünnte Magensäure den Effekt noch einmal potenziert.

Also: Einfach nicht zu viel Steinobst auf einen Schlag futtern und dem Bauch geht es prima. Alle Schreckensberichte gehören in die Kategorie der Märchen, sofern nicht bestimmte Vorerkrankungen bestehen.

An diesen Merkmalen lassen sich reife Kirschen am besten erkennen

Aber nicht nur zu viele, sondern auch unreife oder schlecht gewordene Kirschen können zu Magen-Darm-Problemen führen. Ganz davon abgesehen, dass sie bei Weitem nicht so lecker schmecken wie ihre ideal gereiften Artgenossinnen.

  • Tendenziell hilft bei der Beurteilung des Steinobstes natürlich der Farbcheck, wobei gerade Süßkirschen viele verschiedene Farben besitzen können.
  • Dafür spricht der Stiel eine eindeutige Sprache: Am besten ist er noch grün, glatt und sitzt fest an der Kirsche. Beim Kaufen der Früchte ist es immer gut, Exemplare mit Stiel zu nehmen, da er die Öffnung der Kirsche dichthält und Keimen und Bakterien weniger Fläche zum Eindringen in die Frucht bietet.
  • Gleiches gilt für Quetschungen oder Risse, die möglichst nicht vorhanden sein sollten. Unversehrte, glänzende und pralle Früchte hingegen sind meistens schon so lecker wie sie aussehen und freuen sich auf eine schnelle Verarbeitung.
  • Damit die geplanten Gerichte möglichst intensiv schmecken, ist der Griff zu reifen Früchten von großer Bedeutung. Denn leider reifen Kirschen nach der Ernte nicht mehr nach – und was nicht schon so süß oder sauer wie gewünscht ist, wird es auch nicht mehr werden.

Die ideale Lagerung von Kirschen

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste: Diese Weisheit gilt auch für Kirschen, die vorsichtig behandelt und zügig verbraucht werden wollen.

Nach dem Kauf kommen sie daher am besten in eine mit Krepppapier ausgelegte, atmungsaktive und mit einem Deckel verschlossene Dose und können so für zwei Tage bei kühleren Temperaturen aufbewahrt werden.

Wer möchte, kann seine Kirschen selbstverständlich aber auch einfrieren. In diesem Fall müssen die Früchte zunächst gewaschen und entsteint werden. Abtropfen lassen, auf ein Tablett geben und vorgefrieren, bevor der finale Gefrierschritt in Gefrierbeuteln erfolgt.

Oder trocknen – geht auch und ist ebenfalls eine leckere Angelegenheit.

Fruchtig-süß und herzhaft-pikant: Kirschen geben in vielen Rezepten eine gute Figur ab

Wie bereits erwähnt, finden Kirschen vor allem in süßen Rezepten häufig Verwendung: Sie dienen als Beilage zu frischen Waffeln, verleihen Kuchen und Torten den letzten Schliff, sind Bestandteil von Marmeladen oder werden zu erfrischendem Saft verarbeitet.

Allerdings können sie auch pikant eingelegt, in ein würziges Chutney verwandelt werden. Alternativ machen sich gerade leicht säuerliche Sorten auch in deftigen Soßen, die beispielsweise zu Hirschbraten gereicht werden, sehr gut.

Lange Rede, kurzer Sinn: Kirschen gehen immer – man muss nur die Zubereitungsformen finden, die man selbst am liebsten mag!

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Von: Anno Stock
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