Paprikaschoten-grob-in-Würfel-schneiden

Paprika: Die Königin der Küche!

Die Pflanzen der Gattung Paprika bilden die vielleicht größte Familie der in der Küche genutzten Pflanzen. Kaum zu glauben, doch bis heute gibt es viele Paprikafans, die nichts von dieser Verwandtschaft wissen und alle unterschiedlichen Paprikasorten für Pflanzen, die nichts miteinander zu tun haben – außer vielleicht, dass sie geschmacklich wie optisch bestens miteinander harmonieren. Natürlich liegt ein Grund für derlei Unwissen darin begründet, dass Paprikaschoten eine höchst unterschiedliche Schärfe aufweisen können. Ein anderer ist aber auch die eigentlich unsägliche namentliche Vermischung mit dem Pfeffer. Eine Pfefferschote ist eine Paprika, hat also mit dem echten Pfeffer kaum etwas gemein. Und auch im Namen Cayenne-Pfeffer stimmt nur der erste Teil: Rund um Cayenne, der Hauptstadt von Französisch-Guyana, wird diese Pflanze bis heute in großem Umfang kultiviert. Aber auch bei ihr handelt es sich um eine Paprikaschote, die mit dem Pfeffer weder verwandt noch verschwägert ist. Hier kommen die Antworten auf die drei meistgestellten Fragen.

 

Ist Paprika Obst oder Gemüse?

Beides! Zwar spricht man meist von der Paprikaschote oder in der Kurzform einfach nur von Paprika. Botanisch gesehen handelt es sich bei ihr aber um eine Beere, da sie aus einer Blüte zur Frucht heranwächst. Auch kann Obst meistens roh verspeist werden und weist bereits die dafür notwendige Konsistenz auf. Außerdem ist Obst meist süß, während Gemüse gekocht und anschließend eher deftig, zumindest aber gesalzen verzehrt wird. Doch sogar hier lässt sich die Paprika nicht so leicht zuordnen: Zwar besitzt sie einen durchaus süßlichen Geschmack (der bei den scharfen Varianten freilich etwas ins Hintertreffen gerät), kulinarisch wird sie meistens trotzdem wie ein Gemüse behandelt. Es gibt übrigens eine Lebensmitteldefinition die besagt: Da die Paprika zumeist von einjährigen Pflanzen stammt, ist sie ein Gemüse. Genug der Verwirrung: Hauptsache, die Paprika schmeckt.

 Wieso sind viele Paprikasorten scharf?

Eigentlich bilden die hierzulande so beliebten Gemüsepaprika, die es zumeist in Grün, Gelb und Rot, manchmal auch in Orange gibt, eine Ausnahme. Denn nur sie und einige wenige Pepperoni, etwa die „Pimientos de Padrón“, besitzen wenig oder gar keine Schärfe. Bei letztgenannter Sorte aus dem nordspanischen Galizien musste die Schärfe allerdings erst langwierig weggezüchtet werden. Zurück zur Schärfe: Fast alle Paprikaschoten enthalten den Stoff Capsaicin, bei dem es sich um einen der wirksamsten Scharfmacher handelt. Je mehr Capsaicin in der Frucht enthalten ist, desto schärfer ist ihr Geschmack. Gemessen wird der Schärfegrad in Scoville, einer Skala des Pharmakologen Wilbur L. Scoville. Um die Unterschiede zu veranschaulichen: Gemüsepaprika erreicht den Scoville-Grad 0-10, die Peperoni aus dem griechischen Salat liegt bei 100 – 500. Außerdem kennt man noch die Jalapeno, die meist in Scheiben geschnitten auf die Burger kommt. Mit 2.500 – 8.000 Scoville geht die bereits ganz schön ab. Beim Cayenne-Pfeffer, der gerne getrocknet und zu Gewürzpulver verrieben wird, wird ein Scoville-Grad von 30.000 bis 50.000 erreicht. Den Vogel aber schießt in der Küche die Habanero ab, die gefährlicherweise meistens aussieht wie Gemüsepaprika im Miniformat. Bei einem Scoville-Grad von 100.000 bis 350.000 kann man vermutlich mit einer einzigen Frucht einer gesamten Kompanie einheizen. Zum Vergleich: Handelsübliches Pfefferspray erreicht ebenfalls diese Werte.

Wie isst man Paprika? Und welche Paprikasorten sollte man kennen?

Im Prinzip schließt sich an dieser Stelle der Kreis zu Frage 1. Denn genau wie das meiste Obst kann die Paprika sowohl roh als auch gekocht verzehrt werden. Gerade Kinder lieben Gemüsepaprika wegen ihres süßen Geschmacks, der tollen Farbe und der knackigen Konsistenz. Generell können natürlich auch die schärferen Paprikaschoten roh gegessen werden, sofern sie einem nicht zu pikant sind.

Natürlich lässt sich Paprika auch kochen, was gerade hierzulande besonders gerne gemacht wird. Dabei sind der Kreativität natürlich keine Grenzen gesetzt. Paprikaschoten werden gefüllt, in Streifen oder in kleine Stücke geschnitten, um dann in zubereiteter Form mit Reis, Kartoffeln oder Pasta gegessen zu werden. Ein großer Vorteil dabei ist natürlich, dass die großen Paprikaschoten generell mild sind. Jeder kann sie also so pikant würzen, wie er es gerne hätte.

Die schärferen Sorten der Paprika, vor allem die nicht ganz so feurigen Peperoni, bekommt man zumeist in eingelegter Form. Sie geben zum Beispiel mediterranen Salaten einen besonderen Kick.

Eine letzte Form der Paprika kennt jeder aus dem Gewürzregal. Hier gibt es sie als Gewürz in Pulverform, wobei die Angebotspalette unterschiedlich groß sein kann. Die Sorten „Edelsüß“ für ein mildes sowie „Rosenscharf“ für ein pikantes Paprikapulver hat längst auch jeder Discounter in seinem Angebot. Im Fachhandel finden sich aber zusätzlich Sorten, die besonders scharf sind. Eine ganz besondere Spezialität schließlich stammt aus der spanischen Region Extremadura. Hier produziert man das „Pimentón de La Vera“, bei dem es sich um ein speziell geräuchertes Paprikagewürz handelt. In einem speziellen der Rauchtrocknung bekommt das Gewürz sein typisches Raucharoma. Natürlich lassen sich die Hersteller nicht jedes Geheimnis entlocken. Bekannt ist aber, dass der Rauch durch das Verbrennen von Eichenholz entsteht, wobei für die Produktion von einem Kilogramm Gewürz etwa fünf Kilogramm Eichenholz benötigt werden. Meist bekommt man das Pimentón de La Vera in Blechdosen im Vintage-Design. Die sehen toll aus – allerdings muss man dann doppelt aufpassen, ob man gerade eine eher süße oder höllisch scharfe Variante in der Hand hält.

Tipp: Pimentón de La Vera passt hervorragend als Gewürz zu Grillfleisch oder Pommes Frites. Vor allem zusammen mit Salz, Kreuzkümmel und eventuell etwas Knoblauch lässt sich eine tolle Gewürzmischung herstellen. Am besten natürlich immer frisch – und anfangs in kleiner Menge, um das für den eigenen Geschmack passende Mischverhältnis auszuloten.

 

Übrigens:

Der Verzehr scharfer Chilis geht mit der Ausschüttung von Endorphinen einher. Anders ausgedrückt: Scharfe Paprikafrüchte können wie eine Droge funktionieren. Daher hat sich längst eine weltweite Fangemeinde gebildet, die immer außergewöhnlichere, exotischere und vor allem schärfere Sorten der Paprika züchtet und konsumiert. Inwiefern das dann noch mit kulinarischen Genüssen einhergeht, muss freilich jeder selbst beantworten. Jemandem ohne dessen Wissen und Einwilligung extrem scharfes Essen anzubieten, kann allerdings als Körperverletzung gelten und entsprechend geahndet werden.

 


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Von: Anno Stock
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