Scharf, schmackhaft, schnell: Die TexMex-Küche

Wenn man hierzulande an Fastfood denkt, hat man natürlich sofort klare Bilder im Kopf. Die längste Tradition haben bei uns natürlich, je nach Region, das Fischbrötchen oder die Bratwurst- beziehungsweise Leberkässemmel. Amerikanische Fastfood-Ketten haben die schnelle Küche dann vor einigen Jahrzehnten gehörig durcheinandergewirbelt, als sie den Deutschen Appetit auf Burger und Pommes Frites machten. Dann schließlich kamen die Dönerbuden, die, wenn man alle Umsätze zusammenrechnet, mittlerweile den Löwenanteil des deutschen Fastfood-Geschäftes abgreifen.

Damit sind aber noch nicht alle Trends benannt, für die sich auch mitteleuropäische Konsumenten begeistern können. Sushi und asiatische Reisgerichte kann man längst auch in Kleinstädten bekommen. Außerdem kann die TexMex-Küche mit ihren scharfen, aber extrem schmackhaften Aromen punkten.

TexMex ist mehr als nur Fastfood

International ist eine der größten Fastfood-Ketten im TexMex-Bereich aktiv. Tacos, Burritos, Fajitas: Wer Spaß an den texanisch und mexikanisch beeinflussten Aromen hat, dem geht in diesen Filialen das Herz auf. Angeblich werden die Gäste zudem in keinem Fastfood-Lokal schneller bedient als hier. Knackpunkt: Das besagte Franchising-Unternehmen ist in Deutschland nur an Standorten des amerikanischen Militärs aktiv. Allerdings hat dies auch den Effekt, dass die TexMex-Küche hierzulande vielfältiger ist, auch wenn man die entsprechenden Lokale etwas länger suchen muss. Klassische Fastfood-Restaurants oder Imbissbuden sind dabei relativ selten. In größeren Städten findet man dafür eine neue, langsam wachsende Form der Systemgastronomie: Lokale mit meist rustikalem Ambiente, die neben einer breiten Getränkekarte auch mit vielen leckeren Speisen locken. Zwar nicht nur aus dem TexMex-Bereich, doch dieser hat insgesamt einen recht großen Anteil. Mit Live-Musik und wechselnden Shows wird das Südstaatenflair noch zusätzlich unterstrichen. Klar, dass man hier nicht einfach nur seinen schnellen Hunger stillen will, sondern gerne etwas länger verweilt.

Mexikanisches Essen mit texanischem Anstrich?

Oft wird vermutet, dass TexMex nichts anderes sei als eine US-amerikanische Interpretation der mexikanischen Kochkunst. Doch damit würde man der TexMex-Küche nicht gerecht, denn bei einem etwas näheren Blick zeigen sich signifikante Unterschiede. Denn die Wurzeln reichen in ganz unterschiedliche Richtungen.

Einen wesentlichen Anteil hat natürlich die gemeinsame texanisch-mexikanische Geschichte. Denn ursprünglich gehörte Texas zu Mexiko, daher herrschte die damalige mexikanische Kochkunst auch in dem heutigen Bundesstaat der Vereinigten Staaten vor. Schon damals strömten aber viele Einwanderer aus der iberischen Halbinsel und von den Kanarischen Inseln ins Land, die bis dato unbekannte Gewürze und Zutaten mitbrachten. Ein Beispiel dafür ist der Kreuzkümmel, der in der TexMex-Küche gerne und viel verwendet wird. In der klassisch mexikanischen Küche indes spielt er bis heute keine Rolle. Auch das Weizenmehl ist in Mexiko ein vergleichsweise wenig genutztes Produkt, während es durch spanische Einflüsse auf die TexMex-Küche in dieser recht beliebt ist. Brote und Fladen werden in Texas also nicht nur aus Maismehl gebacken, sondern gerne auch aus Weizenmehl oder einer Mischung aus beidem.

Insgesamt kann hier also von einer Hybridküche gesprochen werden, deren Schöpfer keine Angst davor hatten, unterschiedliche kulturelle Einflüsse miteinander zu kombinieren.

Weitere typische Zutaten in der TexMex-Küche sind

Bohnen: Hier hat man sofort Bilder von Cowboys im Kopf, die um das Lagerfeuer sitzen und im Dutch Oven ein Chili con Carne zubereiten. Darum muss man auch nicht groß erklären, dass es sich hier nicht um die bei uns so typischen grünen Bohnen handelt. Üblicherweise gehören eher rote Kidneybohnen oder die auch in Mexiko weit verbreiteten schwarzen Bohnen in die TexMex-Gerichte.

Kürbisse: Beim Kürbis zeigt sich die TexMex-Küche offener. Dies liegt wohl vor allem daran, dass man im Süden der USA schon vor langer Zeit unterschiedliche Sorten von Kürbis kultiviert hat. Außerdem dient der Kürbis nicht vordergründig als Geschmacksgeber, sondern eher als Geschmacksträger. Das beliebte TexMex-Eintopfgericht Calabacita kann daher mit verschiedenen Kürbissorten zubereitet werden, je nach Saison und aktueller Verfügbarkeit.

Avocados: Bei der Avocado zeigt sich der mexikanische Einfluss auf die TexMex-Küche. Diese Frucht gilt mittlerweile als echtes Superfood, das auch skeptische Fachleute weitestgehend überzeugt. Darum sind Gerichte mit Avocado nicht nur lecker, sondern meistens auch sehr gesund. Natürlich ist die Guacamole auch in der TexMex-Küche ein wichtiger Bestandteil.

Fleisch: Für das Fleisch in der TexMex-Küche sind vor allem spanische Einwanderer verantwortlich. Diese brachten Nutztiere wie Rinder, Schweine, Schafe oder Ziegen mit. Während man aufgrund der klimatischen Bedingungen keine große Käsetradition begründen konnte, bot das Fleisch durchaus eine Abwechslung für den Speiseplan. Bis heute werden nach der Schlachtung nahezu alle Teile des Tieres verwendet. Entweder wird das Fleisch gekocht oder gegrillt, häufig aber auch getrocknet oder gepökelt. Das getrocknete Beef Jerky eignet sich wunderbar, um es auch bei großer Hitze ungekühlt zu transportieren und länger zu lagern. Mittlerweile kann man es auch in deutschen Supermärkten finden.

Chili: Natürlich muss auch die Chili erwähnt werden, die in allen amerikanischen Kochkulturen von den USA bis nach Argentinien eine wesentliche Rolle spielt. Einen großen Beitrag zur Entwicklung getrockneter Chili-Gewürze leistete der deutsche Einwanderer Willie Gebhardt, der wenige Kilometer von San Antonio (der heimlichen Hauptstadt der TexMex-Küche) entfernt lebte. In seiner neuen Heimat aß er besonders gerne Chili con Carne. Doch die Pfefferschoten waren bis rund um das Jahr 1900 ein Saisonprodukt, daher musste Gebhardt einige Monate des Jahres auf seine Leibspeise verzichten. Bis er schließlich ein Trockengewürzmischung entwickelte, die er erfolgreich als „Eagle Chili Powder“ vermarktete. Denn nicht nur er selbst wollte Chili con Carne gerne auch außerhalb der Saison genießen. Seither wird die Würze der Pfefferschote nicht nur frisch genossen, sondern auch in trockener Form. Natürlich nicht nur in der TexMex-Küche, doch hier spielt sie eine ganz besondere Rolle. Dank ihres eigenen Aromas und der zahllosen Schärfegrade ist die Chili natürlich weit mehr als ein einfacher Ersatz für Pfeffer. In einigen Gerichten kommen diese beiden Scharfmacher sogar zusammen daher.

TexMex-Zutaten

Die TexMex-Küche gehört zu jenen Kochrichtungen, für die man hierzulande auf relativ viele Fertig- oder Halbfertigprodukte zurückgreifen muss.

Die obligatorischen Teigfladen etwa, die vor allem für Burritos und Fajitas benötigt werden, kann man zwar selber backen. Doch selbst erfahrene Köche in Texas und Mexiko sparen sich die Arbeit gerne und kaufen fertige Fladen. In deutschen Supermärkten bekommt man sie allerdings eher aus Weizenmehl denn aus Maismehl.

Auch frischer Mais ist in Deutschland eigentlich nur im Herbst erhältlich. Genau wie Kidneybohnen oder schwarze Bohnen wird er allerdings das ganze Jahr hindurch in der Dose oder im Glas angeboten.

Immerhin kann man aber bei Chilischoten und bei Tomaten fast immer auf Frischware zurückgreifen.

Gegen die hier erwähnten Halbfertigprodukte spricht im Prinzip nur wenig. Natürlich sollte man aber immer darauf achten, dass es sich wirklich um hochwertige Produkte handelt, die ohne weitere Zutaten wie Zucker oder Konservierungsstoffe auskommen. Sofern erhältlich, ist frische Ware natürlich immer die bessere Wahl. Fertige Soßenmischungen, die oft zusammen mit den Teigfladen unter Bezeichnungen wie „Fajita Kit“ angeboten werden, sind allerdings nicht notwendig. Mit einfachsten Mitteln und Zutaten lassen sich solche Soßen selbst herstellen – allerdings leckerer und billiger.

Kommentieren

author
Von: Anno Stock
Newsletter

 



© Herdzeit.de | Impressum | Datenschutzerklärung