Verdauung

Schwere Kost? Wissenswertes über die Verdauung

Jeder Mensch kennt das: Nach einem so leckeren wie ausgiebigen Essen fühlt man sich satt, schwer und träge und benötigt erst einmal eine Weile, um die aufgenommene Nahrung zu verdauen. In der beschriebenen Form könnte es sich sogar um ein Glücksgefühl handeln – allerdings kommen häufig auch unangenehme Symptome hinzu. Saures Aufstoßen, Sodbrennen, Völlegefühl, Blähungen oder unangenehme Magenschmerzen sind Zeichen dafür, dass der eigene Verdauungstrakt mit der Nahrungsverarbeitung überfordert ist. Jetzt braucht es schnelle Abhilfe. Natürlich müssen es nicht immer Pillen und Tropfen aus der Apotheke sein. Werfen wir einmal einen Blick auf die verschiedenen Verdauungshelfer aus der Speisekammer und auf die Ernährungsweise im Allgemeinen.

Hilft der Verdauungsschnaps wirklich bei der Verdauung?

Diese Frage kann mit einem klaren Jain beantwortet werden. Generell ist Alkohol kein guter Verdauungshelfer, sondern bedeutet für den Magen sogar zusätzliche Arbeit. Man muss kein Mediziner oder Ernährungswissenschaftler sein um zu ahnen, wie sich ein ohnehin schon überfordertes Organ darüber freut. Generell gilt also: Lieber nicht zu viel Alkohol zum Essen, dann kommt es vielleicht gar nicht erst zu Verdauungsproblemen. Ein (!) Gläschen Kräuterschnaps nach dem Essen bildet aber eine Ausnahme, denn die enthaltenen Essenzen tun dem Magen tatsächlich gut. Wahrscheinlich liegt darin auch der Hauptgrund, weshalb es ihn in so vielen Varianten gibt und man ihn in aller Welt zu schätzen weiß. Theoretisch wäre ein Kräutertee zwar ebenso wirksam, aber der schmeckt nach dem guten Essen natürlich nicht so gut wie das Schnäpschen.

Verdauungshelfer aus der Bäckerei: Leinsamen

Wer keine Körner isst, wird Leinsamen womöglich für Apfelkerne halten, auch wenn diese zumeist doch noch etwas größer ausfallen. Ansonsten kennt man Leinsamen vor allem aus der Bäckerei, denn sie sind in zahlreichen Brot- und Brötchensorten enthalten. Das Aroma von Leinsamen ist leicht nussig, aber eher zurückhaltend. Im Brot sind sie trotzdem interessant, weil sie diesem einen gewissen Crunch verleihen, oft zusammen mit diversen anderen Körnern. Besonders spannend ist aber, dass Leinsamen aufgrund ihrer enthaltenen Öle besonders gut für die Verdauung sind. Sie können bei akuter Verstopfung helfen – oder dafür sorgen, dass eine solche gar nicht erst entsteht. Sehr schön ist, dass Leinsamen keine Nebenwirkungen haben und das Aroma einer Speise, wie bereits beschrieben, nur marginal beeinflussen. Darum lassen sie sich bedenkenlos verschiedenen Speisen beimischen, um diese etwas leichter verdaulich zu machen. Bei kalten Speisen, etwa Salaten und diversen Dips, kann Leinöl übrigens eine Alternative zu anderen Ölen sein. Auch das reine Öl ist ein echter Magenfreund und hilft sehr dabei, schwer verdauliche Lebensmittel, beispielsweise Rohkost, besser zu vertragen.

Wie viel sollte man zu welcher Tageszeit essen?

Bei dieser Frage streiten sich auch Fachleute wie die Kesselflicker. Von Oma haben wir noch gelernt: „Iss morgens wie ein König, mittags wie ein Bürger und abends wie ein Bettler.“ Inzwischen sind Ernährungswissenschaftler aber von dieser Faustregel recht weit abgerückt.
Eine Studie der Universität München etwa hat sich das Frühstück vorgenommen und dabei Erstaunliches festgestellt: Menschen, deren Frühstück eher klein ausfällt, hatten im Laufe des Tages nicht mehr Hunger als jene, bei denen sich der Frühstückstisch regelrecht zu biegen scheint. Daraus sollte man aber nicht schließen, dass man auf das Frühstück komplett verzichten kann, denn gerade morgens braucht der Körper frische, aus der Nahrung gewonnene Energie. Eine Schale mit Müsli ist aber gesünder, kalorienärmer und magenfreundlicher als drei Croissants mit Schokoaufstrich.
Auch das Mittagessen sollte nicht komplett wegfallen, denn die innere Uhr des Menschen ist für den frühen Nachmittag auf eine kleine Ruhephase programmiert. Wenn man dem Körper keine Nahrung zuführt, fehlt Energie – und die ist notwendig, damit aus der kleinen Verschnaufpause kein nicht enden wollender Mittagsschlaf wird.
Die Hauptmahlzeit fällt in vielen Familien mittlerweile auf den Abend. Denn im Gegensatz zu früheren Zeiten, als sich die Familie mittags am Küchentisch versammelte, machen moderne Lebensumstände dies meistens erst am Abend möglich. Wenn Eltern wie Kinder das Tagwerk vollbracht haben, bleibt Zeit für das gemeinsame Kochen und Essen. Jetzt kommt es normalerweise nicht mehr auf ein paar Minuten hin oder her an. In Südeuropa ist es sowieso üblich, abends üppig zu speisen. Der Haken an der Sache ist aber, dass wir nach dem Abendessen meist kein bewegungsintensives Programm mehr haben, sondern eher auf Entspannung eingestellt sind. Wenn das Abendessen üppig ausgefallen ist, macht der Verdauungsprozess zusätzlich müde. Es gibt aber noch einen weiteren Grund, weshalb man sich nach einem umfangreichen Abendessen nicht hinlegen sollte. Der Magen ist nicht so gut darin, in horizontaler Position zu verdauen. Dementsprechend träge fühlt man sich. Außerdem können Sodbrennen und saures Aufstoßen dabei begünstigt werden. Am besten ist es also, wenn das Abendessen nicht zu umfangreich ausfällt oder man sich anschließend noch bewegt. Vor einer durchtanzten Partynacht darf also eher geschlemmt werden als an einem Abend, den man nur vor dem Fernseher und später im Bett verbringen will.

Von Säuren und Basen

Immer wieder hört und liest man von ernährungsbedingter Übersäuerung, die neben Verdauungsproblemen auch für eine Vielzahl anderer Erkrankungen verantwortlich gemacht wird. Bei welchen Symptomen tatsächlich die in Speisen und Getränken enthaltenen Säuren verantwortlich gemacht werden können, können auch Fachleute nur lückenhaft beantworten. Klar ist aber, dass sich aufgenommene Säuren zur ohnehin vorhandenen Magensäure aufaddieren lassen und biochemische Prozesse im Magen dadurch aus dem Gleichgewicht geraten können. Vor allem Säfte, Zitrusfrüchte, Softdrinks und Kaffee werden häufig als Übeltäter benannt und sollten nur in begrenztem Umfang konsumiert werden. Verteufeln muss man sie freilich nicht, außerdem lassen sich aufgenommene Säuren auch rein chemisch neutralisieren. Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig.

  • Natron hat einen leicht salzigen Geschmack, der nicht jeden begeistert. Gegen Sodbrennen und Völlegefühl kann das weiße Pulver allerdings gut helfen. Man kann einfach einen Finger mit Wasser oder Speichel benetzen, in das Pulver stippen und abschlecken oder alternativ die gleiche Pulvermenge in einem Glas Wasser auflösen. Am besten eignet sich dafür Leistungswasser oder stilles Mineralwasser, da darin keine Kohlensäure enthalten ist.
  • Zimt ist nicht nur ein leckeres Gewürz, sondern kann auch die Magensäure regulieren. Nach einem schweren Essen ist ein Teelöffel mit einer Zimt-Zucker-Mischung also eine so leckere wie hilfreiche Sache. Allerdings sollte man bei derlei Mischungen am besten Ceylon-Zimt verarbeiten, da der billigere und meistens genutzte Cassia-Zimt diverse weniger gesunde Stoffe enthält. Übrigens lässt sich der Zucker auch durch Xylitol oder Erythrit ersetzen. So ist die Mischung fast kalorienneutral und, im Falle von Xylitol, auch gut für die Zahngesundheit. Jedenfalls legen wissenschaftliche Studien dies nahe.
  • Magentabletten gibt es natürlich in der Apotheke (man kennt sie auch aus der Fernsehwerbung, in der auch immer auf Risiken und Nebenwirkungen hingewiesen wird), man kann sie aber auch in Drogerie- und Supermärkten finden. Bei den dort erhältlichen Präparaten handelt es sich zumeist um Kautabletten, die auf rein chemische Weise helfen, Säuren zu neutralisieren. Im Gegensatz zum Natron haben diese Tabletten meist einen angenehmen Geschmack und können bedenkenlos eingenommen werden.

Was tun, wenn massive Verdauungsprobleme auftreten?

Verdauungsprobleme zeigen sich vor allem auf zwei Arten: Entweder führen sie zu Durchfall oder zu Verstopfung. Mit beiden Symptomen ist nicht zu spaßen, darum sollte in akuten Fällen ein Arzt konsultiert werden. Es gibt aber einige Hausmittel, die zur Linderung oder gar zur Genesung führen können.

Verstopfung

Die Ursachen für eine Verstopfung können vielfältig sein, meist sind sie aber in der Ernährungsweise zu suchen. Glücklicherweise kann auf diesem Wege auch für Linderung gesorgt werden. Frei verkäufliche Präparate aus der Apotheke sind in vielen Fällen nicht notwendig, denn die Medizin findet sich auch in der heimischen Speisekammer.
Pflaumen und Feigen (beide auch in getrockneter Form) und Sauerkraut sind bewährte Hausmittel. Auch Joghurt und Kaffee können helfen, eine Verstopfung zu lösen. Insgesamt sollte man darauf achten, möglichst viel zu trinken, da ein harter Stuhl auch ein Zeichen für Flüssigkeitsmangel sein kann.

Durchfall

Häufig handelt es sich bei Durchfällen um viral oder bakteriell bedingte Erkrankungen. Nur in vergleichsweise wenigen Fällen sind Durchfälle ein Resultat einer falschen Ernährung. Übermäßiger Nikotinkonsum oder der Konsum von Milchprodukten bei einer bestehenden Laktoseintoleranz können aber durchaus eine durchschlagende Wirkung haben. Bei ansteckenden Durchfallerkrankungen, wie sie auch immer wieder in Schulen und Kindergärten grassieren, gibt es natürlich die klassischen Hausmittel. Auch hier kann man auf Omas Erfahrungsschatz zurückgreifen, die bereits auf Bananen, Salzstangen und (Kinder-)Cola setzte. Die Wirkung der Bananen lässt sich auf dem enthaltenen Zucker und diversen Mineralstoffen zurückführen und auch die Cola liefert dem Körper Flüssigkeit und große Mengen an Energie. Die Salzstangen hingegen helfen, das meist in großen Mengen verlorene Salz wieder auszugleichen. Ein Hausarzt hatte kürzlich ein Rezept (sogar im doppelten Sinne) parat, das bei Kindern wie bei Erwachsenen gegen akuten Durchfall helfen soll. Im familiären Umfeld hat es sich gut bewährt.

Man koche einen Liter Schwarztee (für Kinder natürlich in einer dünneren Variante) und mische diesen mit 300 Millilitern Orangensaft (gerne frisch gepresst). Dazu kommen zwei Esslöffel Traubenzucker und ein halber Teelöffel Salz. Diese Mischung wird dann über den Tag verteilt getrunken, anfangs ggf. nur löffelweise, später dann in Tassenportionen.

Die Aussage des Arztes „Schmeckt nicht so schlimm, wie es sich anhört“ kann man deutlich unterstreichen – das leckerste vorstellbare Getränk ist es deshalb trotzdem nicht. Jedenfalls kann man in vielen Fällen komplett auf die teuren und hinsichtlich ihrer Nebenwirkungen nicht immer ganz unproblematischen Arzneimittel verzichten. Wenn sich innerhalb von 24 Stunden keine deutliche Besserung einstellt (oder sich der Zustand im Laufe der Zeit sogar noch verschlimmert), so muss unbedingt der Rat eines Arztes eingeholt werden.


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Von: Anno Stock
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