Superfood: Mythos und Wahrheit

Superfood: Mythos und Wahrheit

Seit einigen Jahren ist das sogenannte Superfood sprichwörtlich in (fast) aller Munde. Was es früher allenfalls in Reformhäusern gab, ist mittlerweile auch in die Regale der Supermärkte und Discounter eingezogen. Es gibt also eine Menge Gründe, diesen Trend etwas genauer zu hinterfragen.

Die gute Nachricht zuerst: Generell spricht nichts dagegen, exotische Lebensmittel wie Chia-Samen, Açaí- oder Gojibeeren, Chlorella oder Quinoa in den Speiseplan einzubauen. Fast alle davon werden in den jeweiligen Ursprungsregionen bereits seit Jahrhunderten verzehrt, ohne dass die Menschen dabei irgendeinen Schaden nehmen würden. Wer allerdings glaubt, durch übermäßigen Konsum von Superfood unsterblich zu werden (und dabei selbstverständlich dauerhaft kerngesund), der irrt sich kolossal.

 

Setzt Açaí Superkräfte frei?

Ein gutes Beispiel ist die Açaí-Beere, die in letzter Zeit zu einer Art Königin der Superfoods avanciert ist. Die dunkelblaue Beere, die schon aufgrund ihrer Größe und Farbe an die bei uns heimische Heidelbeere erinnert, wächst in Brasilien. Dort wird sie frisch gegessen oder als Saft getrunken. Insbesondere bei Naturvölkern steht sie hoch im Kurs – und da diese Menschen kaum Zivilisationskrankheiten kennen, wird insbesondere der Nahrung eine geradezu fantastische Wirkung zugeschrieben. Als man den hohen Gehalt an Anthocyanen in den Beeren nachweisen konnte, fühlten sich viele Menschen bestätigt. Immerhin schützt dieser Stoff die menschlichen Körperzellen vor freien Radikalen. Das Problem: Im Gegensatz zu uns Mitteleuropäern haben Naturvölker viel Bewegung an der frischen Luft, kennen keinen Stress, haben ausreichend Schlaf und kennen Fertiggerichte mit all ihren chemischen Zutaten allenfalls vom Hörensagen. Selbstverständlich sind all dies Faktoren, die zu einer stabilen Gesundheit beitragen. Hinzu kommt, dass man die Açaí hierzulande nur getrocknet bekommt – und niemand kann garantieren, dass die gesundheitsfördernde Wirkung beim Trocknen vollständig erhalten bleibt.

 

Nur nicht übertreiben!

Je mehr Antioxidanzien desto besser? Wenn man den Artikeln in vielen Medien Glauben schenken mag, wäre dies exakt zutreffend. Die Schlussfolgerung wäre also, seinen Speiseplan anhand dieses Wertes zu gestalten. Tatsächlich jedoch weisen namhafte Ernährungswissenschaftler darauf hin, dass ein Übermaß an Antioxidanzien sogar schädlich sein kann. Beispielsweise können diese Stoffe die Aufnahme von Vitaminen erschweren oder eine Wechselwirkung mit Medikamenten haben. Außerdem sollte man sich ohnehin nicht zu sehr auf einzelne Inhaltsstoffe fokussieren, da man sonst möglicherweise von anderen, ebenfalls wichtigen und gesundheitsfördernden Stoffen zu wenig konsumiert.

Bei anderen sogenannten Superfoods sind es freilich andere Inhaltsstoffe, die als positiv hervorgehoben werden. Aber auch dann ist ein übermäßiger Konsum fast immer mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden.

 

Superfood wächst auch im eigenen Garten!

Oder man bekommt es im gut sortierten Obst- und Gemüsehandel. Dabei muss man aber nicht zwingend im Regal mit den exotischen Obst- und Gemüsesorten schauen. Die eingangs erwähnten Açaí-Beeren etwa sind nicht die einzigen Früchte, die das so hoch gelobte Anthocyan in größeren Mengen enthalten. In diesem Punkt lassen sie sich hervorragend durch schwarze Johannisbeeren, Holunder, rote Trauben, Heidelbeeren oder Rotkohl ersetzen.

Bei anderen gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen können Tomaten, Karotten, Grünkohl, Olivenöl und Rosmarin als Lieferanten genannt werden.

Ergo: Ein abwechslungsreicher Speiseplan mit viel Obst und Gemüse sowie eine auch sonst gesunde Lebensführung sind die beste Basis für Fitness und Wohlbefinden. Und wer Abwechslung möchte, darf natürlich auch gerne mal zu Superfoods greifen.

 


Kommentieren

author
Von: Anno Stock
Newsletter

 



Werbung

Werbung

© Herdzeit.de | Impressum | Datenschutzerklärung