Trink-Wasser

Trink Wasser!

Wasser ist Leben. Der beste Beweis dafür lässt sich vom Weltall aus erbringen, wo unser wunderbar lebendiger blauer Planet seine Kreise um die Sonne zieht. Genau wie es seine lebensfeindlichen Geschwister tun. Der Hauptunterschied lässt sich optisch sofort ausmachen: Die Erde ist blau, weil ihre Oberfläche zu 72% von Wasser bedeckt ist. Dieses Wasser ist die Heimat zahlreicher Fische und anderer Lebewesen. Für uns Menschen sind aber lediglich 3% der Wasservorkommen genießbar. Denn bekanntlich benötigen wir Süßwasser gegen den Durst, zum Kochen, zum Saubermachen und zum Waschen unserer Kleidung. Doch das Süßwasser macht eben nur einen Bruchteil der Wasservorkommen auf der Erde aus. Aus globaler Hinsicht gilt also: Süßwasser ist ein knappes Gut, mit dem man vorsichtig und sparsam umgehen sollte. Wohlgemerkt, global betrachtet. Denn das Süßwasser ist auf der Erde nicht gleichmäßig verteilt. Es gibt also Gegenden auf der Welt, in denen es regelrecht staubtrocken ist, während andere im Vergleich dazu wie ein nasser Schwamm wirken. Mitteleuropa gehört ganz klar zur zweiten Kategorie – und selbst Jahrhundertsommer wie im Jahr 2018 ändern nichts an dieser Tatsache. Trotzdem sind wir Deutschen im Wassersparen geradezu vorbildlich, was eigentlich ein Paradox ist. Wenn sich Kalifornier, Süditaliener oder Australier ein Beispiel an uns nehmen würden, könnte sich dieses Wassersparen positiv auswirken. Fakt ist aber: Wassersparen sorgt zweifellos für eine niedrigere Wasserrechnung. Für die Umwelt ist der niedriger werdende Wasserverbrauch in Deutschland aber nicht positiv zu bewerten. Einige Stadtwerke schlagen bereits Alarm: Durch den geringeren Leitungsdurchfluss könnten in den Frischwasserleitungen gefährliche Keime wachsen und die Abwasserrohre würden nicht mehr ausreichend gespült. Vor allem in den Rohren liegenbleibende Fäkalien bereiten den zuständigen Technikern zunehmend Kopfzerbrechen. Zwar müssen wir nicht damit rechnen, dass man uns regelrecht zur Wasserverschwendung auffordert. Allerdings gäbe es zahlreiche andere Stellen, an denen sich etwas mehr Gewissenhaftigkeit und Willen zur Nachhaltigkeit lohnen würde.

Wer seine Toilettenspülung mit Regenwasser aus der Zisterne betreibt, seinen Nachwuchs aber täglich per SUV in die Kita fährt, leistet der Umwelt unter dem Strich einen echten Bärsendienst.

Wird Wasser eigentlich verbraucht oder nur gebraucht?

Wenngleich sich in unserem Sprachgebrauch der Begriff des Wasserverbrauchs etabliert hat, so müsste man eigentlich eher vom Wassergebrauch sprechen. Denn das weltweit vorhandene Wasser bleibt, sieht man einmal von geringen Mengen ab, die ins Universum entweichen, auch dauerhaft vorhanden. Natürlich wird das Frischwasser genutzt und ist anschließend nicht mehr als solches verwendbar. Doch das durch die Kanalisation fließende Abwasser verschwindet ja nicht im Nirwana, sondern wird aufbereitet und dem Wasserkreislauf anschließend wieder zugeführt. Soweit, so alles gut? Ganz so einfach kann man es sich leider nicht machen. Denn selbstverständlich kostet sowohl die Förderung von Frischwasser als auch die Aufbereitung von Abwässern Energie und damit auch Geld. Wir sollten uns aber auch überlegen, in welcher Region der Welt wie viel Wasser wofür benötigt wird. Denn neben dem Wasser, das bei uns aus dem Hahn oder der Dusche fließt, gebrauchen wir auch an anderer Stelle eine Menge Wasser. Zu nennen ist hier vor allem die Industrie, die zur Herstellung ihrer Produkte ebenfalls mit Süßwasser (also mit Trinkwasser) arbeitet. Ganz gleich, ob es um die Fertigung von Smartphones, Autos oder Bürostühlen geht. Da ist es naheliegend, dass dies für die Erzeugung von Lebensmitteln ebenso gilt.

Schaut man sich die „Verbrauchs“-Zahlen für einzelne Lebensmittel an, kann einem dies durchaus den Appetit verderben. Dies sollte zwar kein Grund sein, den eigenen Speiseplan gewaltig auszudünnen. Aber man kann sich beispielsweise fragen, ob es unbedingt ein australischer Rotwein sein muss: Flüssige Lebensmittel vom trockensten Kontinent der Erde ins vergleichsweise patschnasse Europa zu transportieren ist ein Vorgang, der sich zumindest kontrovers diskutieren lässt.

Die Gretchenfrage: Leitungswasser oder Mineralwasser aus der Flasche?

Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass Leitungswasser das am besten kontrollierte Lebensmittel überhaupt sei. Da ist die Frage naheliegend, ob es auch bedenkenlos getrunken oder zur Herstellung von Lebensmitteln genutzt werden kann. Zumal die Auswahl an abgefüllten Mineralwässern in den Supermärkten ständig größer wird. Was ist also besser? Kosten: In diesem Aspekt ist das Leistungswasser natürlich unerreicht. Der Preis für ein Glas Leitungswasser ist so gering, dass er sich kaum in Zahlen ausdrücken lässt. Laut einem Artikel von Focus Online aus dem Jahr 2017 zahlen die Deutschen im Schnitt etwa 0,2 Cent für einen Liter Leitungswasser. Im internationalen Vergleich ist dies zwar ein vergleichsweise hoher Betrag, das abgefüllte Mineralwasser kann da trotzdem nicht mithalten. Je nach Sorte, Quelle und Abfüller liegt hier der Literpreis teilweise bei mehreren Euro. Mineralien:: Niemand hat bisher Anstrengungen unternommen, unser Leitungswasser als „Mineralwasser“ zu deklarieren. Dies wäre auch wenig sinnvoll, denn der Mineraliengehalt ist stets abhängig von der Region und der dort genutzten Trinkwasserquellen. Ein Mineral lässt sich mancherorts sogar mit bloßem Auge erkennen: Wenn von „kalkhaltigem“ Wasser gesprochen wird, so enthält selbiges einfach besonders viel Kalzium. Dieses Mineral sorgt zwar in Kaffeemaschine, Wasserkocher sowie in Waschmaschine und Geschirrspüler für Ablagerungen, die sogar zu Defekten führen können (wenn die Geräte nicht regelmäßig entkalkt werden oder man einen präventiven Kalkschutz nutzt). Im menschlichen Körper ist es aber geradezu lebenswichtig. Vor allem Zähne und Knochen sind auf Kalzium angewiesen. Über weitere Mineralien im Trinkwasser kann der örtliche Wasserversorger Auskunft geben. Die Analysen lesen sich hier ähnlich wie jene, die auf den Mineralwasserflaschen aufgedruckt sind. Den tatsächlichen Mineraliengehalt von abgefüllten Mineralwässern kann ein Laie nicht feststellen. Auch ist die abgedruckte Analyse nur dann zu verstehen, wenn man sich sehr ausführlich damit beschäftigt. Laut einer Auswertung der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2013 müsste mehr als ein Drittel aller abgefüllten Mineralwässer als „mineralstoffarm“ deklariert werden, sofern es dafür eine gesetzliche Vorschrift gäbe. Fazit: Wer abgefülltes Mineralwasser anstelle von Leitungswasser konsumiert, nimmt beim Trinken unter Umständen sogar weniger Mineralstoffe auf. Schadstoffe: Die Abfüller und Anbieter von Mineralwässern argumentieren häufig, dass sich im Leitungswasser viele Schadstoffe nachweisen ließen, die im Mineralwasser nicht vorhanden seien. Tatsächlich ist das Leitungswasser extrem sauber. In vielen Hinsichten (etwa beim Nitrat) ist es in den letzten Jahren sogar nochmals sauberer geworden. Da die Test- und Analyseverfahren aber immer besser werden, sind nun einige Stoffe nachweisbar, die zuvor niemand im Leitungswasser vermutet hätte. Dabei handelt es sich freilich nicht nur um wertvolle Mineralien, sondern teilweise auch um Schadstoffe. Deren Dosis liegt aber im geradezu homöopathischen Bereich und ist nach Ansicht aller Experten unbedenklich. Wir alle kennen es aus eigener Erfahrung oder aus den Medien: Wenn tatsächlich einmal Verkeimungen oder größere Verunreinigungen im Leitungswasser festgestellt werden (was aufgrund der permanenten Kontrolle quasi in Echtzeit geschieht), haben die Wasserwerke ihre fertigen Notfallpläne zur Hand. Dann wird dem Wasser entweder eine geringe Menge Chlor (beziehungsweise ein anderer, für den Einzelfall wirksamer Stoff) beigemischt oder / und die Verbraucher werden aufgefordert, ihr Leitungswasser für eine gewisse Zeit abzukochen. Im abgefüllten Mineralwasser lassen sich Schadstoffe meist ebenso nachweisen. Pestizidmetaboliten gehören häufig dazu, außerdem in einigen Fällen das natürlicherweise im Quellgrund vorkommende Uran. Zwar sind auch deren Mengen in beiden Fällen so gering, dass von keiner echten Gefahr für die Gesundheit auszugehen ist. Für den direkten Vergleich mit dem Leitungswasser müssen sie trotzdem benannt werden. Ein weiterer Knackpunkt ist aber nicht einmal das Mineralwasser selbst, sondern die Flasche. Denn heutzutage werden die meisten Mineralwässer in Plastikflaschen abgefüllt, die womöglich nicht ganz unbedenklich sind. Zwar sind diesbezügliche Studien noch nicht komplett abgeschlossen, doch ein Verdacht scheint sich zu erhärten: Die Kunststoffflasche gibt womöglich hormonell wirksame Chemikalien an das Wasser (oder ein anderes darin befindliches Getränk) ab. Inwieweit und ab welcher Dosis sich dies auf die Gesundheit auswirkt, ist derzeit noch Gegenstand von Untersuchungen und Debatten. Klar ist jedenfalls, dass diese potenzielle Gefahr bei Glasflaschen nicht besteht. Und auch nicht beim Trinkwasser aus dem Wasserhahn. Übrigens: Wer auf den Sprudeleffekt vom Mineralwasser nicht verzichten will, findet in Trinkwassersprudlern für zu Hause eine adäquate Alternative. Viele dieser Geräte nutzen sogar gesundheitlich komplett unbedenkliche Glasflaschen.


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Von: Anno Stock
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