Zitrusfürchte

Zitrusfrüchte: Exotisch, lecker und gesund

Gerade im Winter sind Zitrusfrüchte der Inbegriff von Exotik. Wie herrlich ist es doch, an einem bitterkalten, dunklen Wintertag in die Obst- und Gemüseabteilung des Supermarktes zu kommen, um dort die strahlend orangen oder gelben Früchte zu sehen. Natürlich geben sich die Händler auch besonders viel Mühe, ihr Obst ins beste Licht zu rücken. Kaum eine andere Frucht wird so liebevoll dekoriert wie die Orange, Mandarine oder Zitrone. Und Zitrusfrüchte nehmen im Obstregal auch den größten Platz ein, von Äpfeln vielleicht einmal abgesehen. Bereits daran lässt sich erkennen, dass die Nachfrage entsprechend hoch sein muss. Das ist auch kein Wunder, denn es ist auch kaum eine Frucht vielseitiger als die Vertreter der Zitrusfamilie.


Geschichte der Zitrusfrüchte

Wenn wir Mitteleuropäer drei verschiedene Zitrusfrüchte aufzählen sollen, so kommen wir fast immer auf Orangen, Zitronen und Mandarinen. Auch die Herkunft der süß-sauren Saftlieferanten scheint klar zu sein: Kommen die nicht fast immer aus dem Mittelmeerraum?

Ein Blick in die Geschichte offenbart aber überraschendes: Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass die ursprüngliche Heimat aller Zitrusgewächse in Südostasien liegt. Dort kultiviert man sie vermutlich bereits seit mehr als 4.000 Jahren. Mit Alexander dem Großen kamen die ersten Zitruspflanzen in den Mittelmeerraum und fanden dort relativ schnell eine weite Verbreitung. Nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus gelangten diese Pflanzen dann auch in die neue Welt.

Interessant ist, dass die eingangs erwähnten, besonders beliebten Zitrusfrüchte ursprünglich nicht vorkamen. Alle drei Sorten sind Züchtungen, die aus wenigen Basis-Sorten entwickelt wurden. Obwohl es sich dabei wohl um nicht sonderlich wohlschmeckende Sorten gehandelt haben dürfte (wenn man mit dem Maßstab des verwöhnten, europäischen Gaumens an die Sache herangeht), haben die Menschen also schon sehr früh das Potenzial der Zitruspflanzen entdeckt. Gut so, denn ohne Zitronen, Orangen, Mandarinen, Limetten und Pampelmusen würde unser Speisezettel deutlich ärmer aussehen.

Die Inhaltsstoffe von Zitrusfrüchten

Wahrscheinlich wusste man bereits in der Antike um die gesundheitsfördernde Wirkung von Zitrusfrüchten, auch wenn man sie freilich nicht genauer erklären konnte. Als vor einigen Jahrhunderten das Zeitalter der globalen Seefahrt begann, litten zahlreiche Seeleute an Krankheiten, die durch Vitaminmangel hervorgerufen wurden. Zitrusfrüchte erwiesen sich als perfekte Medizin und wurden fortan auch präventiv auf lange Seereisen mitgenommen. Erklärt wurde dies wieder Jahrhunderte später durch den vergleichsweise hohen Anteil an Vitamin C in Zitrusfrüchten. Noch heute gelten sie als Inbegriff für Vitaminbomben, obwohl die Experten die Sache mittlerweile etwas nüchterner sehen. Natürlich enthalten Zitrusfrüchte nicht unerhebliche Mengen an Vitamin C. Sanddorn, Blaubeeren oder Holunder haben davon allerdings noch weit mehr zu bieten.

Es wäre allerdings nicht fair, Zitrusfrüchte nur auf dieses spezielle Vitamin zu reduzieren. Weitere, ebenfalls gesundheitlich förderliche Inhaltsstoffe sind B-Vitamine, Calcium, Kalium und Phosphor. Die ebenfalls enthaltenen Flavonoide blieben lange Zeit unbeachtet, sind aber seit Jahren im Fokus der Forschung. Mittlerweile gehen die Forscher davon aus, dass sie eine antimikrobielle, antioxidative, krebsvorbeugende und blutdrucksenkende Wirkung besitzen. Ob und in wie weit sich diese Wirkungen beim Konsum von Zitrusfrüchten bemerkbar macht, ist noch nicht abschließend geklärt. Möglicherweise werden in Zukunft auch neue Medikamente auf Basis von Zitrusfrüchten entwickelt.

Ein Blick ins Obstregal

Gehen wir gedanklich zurück in den Supermarkt. Dort fallen natürlich zuerst die bereits benannten Orangen und Zitronen ins Auge. Ein etwas näherer Blick zeigt aber, dass die dort erhältliche Familie der Zitrusfrüchte deutlich breitgefächerter ist. Besonders wichtige Vertreter sind

Orangen: Orangen werden bei uns am liebsten zu Saft verarbeitet. Entweder kauft man den Orangensaft bereits fertig im Getränkemarkt oder man entscheidet sich für die noch gesündere, frisch gepresste Variante. Allerdings gibt es dafür im Obstregal meist nicht nur eine, sondern mehrere Sorten Orangen. Einige sind süßer, andere haben einen größeren Säureanteil. Darüber hinaus unterscheiden sie sich hinsichtlich ihrer Größe, der Festigkeit und der Farbe des Fruchtfleisches beziehungsweise Saftes. Besonders festfleischige Orangen werden eher zum Naschen als zum Auspressen empfohlen. Eine besonders interessante Variante sind natürlich die Blutorangen. Lust auf ein leckeres Rezept mit Orangen?

Zitronen: Die meisten Menschen, die mal in eine Zitrone gebissen haben, wollen es nie wieder. Eine Ausnahme mag der Genuss von Tequila mit Salz und Zitrone sein, ansonsten scheint die gelbe Frucht auf den ersten Biss ungenießbar zu sein. Doch weit gefehlt: Bei näherer Betrachtung erweist sich die Zitrone sogar als abwechslungsreicher als die Orange. Gerade ihre intensive Säure macht sie auch jenseits der Kulinarik interessant, etwa als wirksamer Bestandteil in Haushaltsreinigern. Doch auch in der Küche gibt die Zitrone zahlreichen Gerichten erst den letzten Schliff. Dabei kann es sich um Süßspeisen handeln, aber auch um Fisch oder Fleisch. In einigen Kulturen wird die Zitrone sogar mehr als Gewürz denn als Säuerungsmittel eingesetzt. Ein typisches Beispiel dafür ist die griechische Küche. Hier bekommen die meist sehr deftigen Fleischgerichte durch Zugabe von Zitronensaft eine ganz besondere Note. Wobei freilich stets auf eine Ausgewogenheit geachtet werden muss, damit das Gericht nicht zu sauer schmeckt.

Die Zitrone ist in der Küche aber auch ein unersetzliches Hilfsmittel, wenn es um die Verarbeitung bestimmter Obstsorten geht. Von Äpfeln, Bananen und Avocados etwa ist bekannt, dass sich das Fruchtfleisch unmittelbar nach dem ersten Luftkontakt ins Bräunliche verfärbt. Dies ist ein natürlicher Oxidationsprozess, der eigentlich keinen qualitativen Unterschied macht. Allerdings wird die Verfärbung negativ wahrgenommen und stört insbesondere dort, wo das Auge sprichwörtlich mitisst. Also etwa im Obstsalatoder in der Guacamole. In beiden Fällen genügen bereits ein paar Spritzer Zitronensaft, um die Verfärbung zu unterbinden. Geschmacklich stört die Zitrone dabei überhaupt nicht, sondern gibt dem Gericht sogar eine besondere Note. Ganz interessant schmeckt die Zitrone übrigens auch hier bei den selbstgemachten Fischstäbchen.

Tipp: Frisch gepresster Zitronensaft schmeckt am besten, aber manchmal braucht man wirklich nicht mehr als einen Spritzer und will deshalb keine ganze Frucht anschneiden. Im Supermarkt gibt es allerdings kleine Fläschchen mit Zitronensaft zu kaufen. Bitte unbedingt darauf achten, dass hier keine Zusätze wie Zucker oder Aromastoffe enthalten sind.

Mandarinen: Zumindest umgangssprachlich wird in Deutschland kaum zwischen Mandarinen und Clementinen unterschieden. Beides sind gängige Oberbegriffe für die kleinen, meist ziemlich süßen Orangen, die sich wunderbar als Snack eignen. Die Schale lässt sich zumeist ganz leicht mit dem Fingernagel einritzen und dann abpellen, wodurch man dann an die einzelnen Segmente der Frucht gelangt. Diese sind nur durch dünne, weiße Häutchen voneinander getrennt und lassen sich ganz leicht auseinanderzupfen. Vor allem Kinder lieben Mandarinen, weil sie sehr süß sind und nur wenig Fruchtsäure enthalten.

Zum Kochen werden Mandarinen seltener genutzt, allerdings machen sie sich sehr gut in einem Obstsalat. Optimalerweise nimmt man dafür natürlich frische Mandarinen, denn die sind aromatischer als die eingelegten aus der Dose. Außerdem ist in den Konserven fast immer zugesetzter Zucker zu finden. Dabei sind die Mandarinen bereits von Natur aus so süß, dass sie sogar die Säure anderer Zitrusfrüchte abmildern können. Wem also der Saft frisch gepresster Orangen zu sauer ist, der kann einfach ein paar Mandarinen mitpressen und den Saft untermischen.

Limetten: Klein, kugelrund und hellgrün mit gelblichem Einschlag, so kennt man diese Zitrusfrucht. In Deutschland war sie bis vor einigen Jahren nur schwer zu bekommen. Inzwischen ist sie zwar immer noch ein Exot, für den sich nur vergleichsweise wenige Menschen begeistern können. Als Bestandteil in Cocktails wie dem Mojito sind Limetten aber unverzichtbar, daher erfreut sie sich doch langsam wachsender Beliebtheit.

In der Küche nutzt man Limetten zwar vordergründig für Getränke. An vielen Stellen können sie aber auch eine tolle Alternative zur Zitrone sein. Zwar sind Limetten ähnlich sauer wie ihre gelben Schwestern. Dafür bringen sie aber eine vollkommen andere, herbsüße Aromatik mit. Dieser Geschmack kann häufig mehr überzeugen als das Zitronenaroma, manchmal sorgt er aber auch einfach für eine leckere Abwandlung eines Gerichtes. Und tatsächlich gibt es einige Gerichte, in denen man auf den ersten Blick keine Limette vermuten würde, obwohl diese für die ganz besondere Note sorgt. Ein Beispiel gefällig? Lachs Loins in Alufolie gegart

Pampelmusen: Die Pampelmuse führt sowohl im Obstregal als auch in der heimischen Küche eher ein Schattendasein. Die recht großen Zitrusfrüchte haben ein Aroma, mit dem sich nicht jeder anfreunden kann. Trotzdem ist die Pampelmuse mehr als eine Randerscheinung in der Familie der Zitrusfrüchte. Denn aus ihrer Kreuzung mit der Mandarine entstand einst die heute so beliebte Orange. Auch die Grapefruit ist quasi eine Tochter der Pampelmuse, da sie aus der Rückzüchtung von Orange und Pampelmuse entstand. Vor allem in Norddeutschland wird im umgangssprachlichen Gebrauch kein Unterschied zwischen Pampelmuse und Grapefruit gemacht. Tatsächlich gibt es nicht nur geschmackliche Parallelen, sondern auch große Schnittmengen bei den Inhaltsstoffen. Die seit 1989 bekannten Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten wurden aber hauptsächlich bei der Grapefruit festgestellt. Auch Mediziner sind aber fasziniert von der Grapefruit, da einige ihrer Inhaltsstoffe augenscheinlich die Fettverbrennung ankurbeln. Daher werden sie gerne im Rahmen einer Diät gegessen.

Ebenfalls zur Gruppe der Pampelmusen gehören jüngere Züchtungen wie die Pomelo, die etwa die Größe einer Honigmelone erreicht.

Fast alle Pampelmusen werden zu Saft verarbeitet oder aufgeschnitten und ausgelöffelt. Dazu sei gesagt, dass kaum jemand ein neutrales Verhältnis zu dieser Zitrusfrucht hat: Entweder man liebt oder man hasst sie. Dementsprechend wenig findet sie in der Küche Beachtung. Nur wenn man ausdrücklich weiß, dass sich alle am Tisch auf den Pampelmusengeschmack einigen können, darf das zerkleinerte Fruchtfleisch oder dessen Saft auch den Weg in den Obstsalat finden.

Tipps und Tricks rund um die Zitrusfrucht

Zitrusfrüchte haben diverse Eigenheiten, die man unbedingt kennen sollte. Einige davon lassen sich sogar in Küche und Haushalt zunutze machen. Darum sollen nun abschließend einige Tipps und Tricks zu den sauren Exoten folgen, wobei diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. Eigentlich ließen sich sogar ganze Bücher zu diesem Thema verfassen.

Zitruspflanzen aus dem Baumarkt oder Gartencenter tragen oftmals herrliche Früchte und fühlen sich auch zu Hause im Wintergarten wohl. Allerdings ist es extrem schwierig, später eine weitere Ernte einzufahren, daher lohnt sich die Anschaffung dieser Pflanzen für den reinen Ertrag in der Regel nicht. Allerdings sehen sie wunderschön aus, bringen eine exotische Note mit und haben, je nach Sorte, wunderbar duftende Blätter. Zerreibt man ein solches in den Händen, ist das wie eine natürliche Parfümierung.

Zitrusfrüchte lassen andere Früchte schneller reifen. Dies liegt an der Freisetzung bestimmter Gase, die für den Reifeprozess förderlich sind. Natürlich kann man sich dies zunutze machen: Sollen andere Früchte noch nachreifen, dürfen Zitrusfrüchte in der Nähe liegen. Will man das andere Obst länger aufheben, bewahrt man die Zitrusfrüchte besser getrennt auf. Zimmertemperatur ist übrigens der Wohlfühlbereich für alle Zitrusfrüchte.

Es lohnt sich, bei Zitrusfrüchten auf Bio-Qualität zu setzen. Fast immer sind Bio-Früchte nur unwesentlich teurer als ihre konventionellen Geschwister. Dafür lassen sie sich vielseitiger nutzen: Nur bei unbehandelten Bio-Zitrusfrüchten kann man die Schale mittels Zestenreißer abreiben und als tolles Aroma zum Backen oder für die Marmeladenherstellung nutzen. Auch Zucker lässt sich damit toll aromatisieren. Außerdem zersetzen sich unbehandelte Zitrusfrüchte bei der Kompostierung deutlich schneller, was natürlich insbesondere bei der Kompostierung zu Hause ein nicht unwichtiges Argument darstellt.

Zitrusfrüchte enthalten besonders viel Säure. Diese Säure ist generell nicht schädlich, allerdings sollte man den täglichen Konsum von Zitrusfrüchten mit Rücksicht auf den eigenen Verdauungsapparat im moderaten Bereich halten. Auch greift die Säure den Zahnschmelz an, was natürlich zu diversen Zahnproblemen führen kann. Zahnärzte halten den Genuss von Zitrusfrüchten trotzdem für unproblematisch, sofern man sie nicht über den ganzen Tag verteilt immer wieder zu sich nimmt beziehungsweise in Form von Saft konsumiert. Das unmittelbar anschließende Zähneputzen gilt es ebenfalls zu vermeiden, da die schädlichen Säuren dann durch die Bewegungen der Zahnbürste regelrecht in den Zahn eingearbeitet werden. Nach etwa 20 bis 30 Minuten haben sich die Fruchtsäuren auch ohne Zähneputzen zersetzt.


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Von: Anno Stock
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