Zucker

Zucker heißt der süße Teufel

Zucker gehört zu den umstrittensten Produkten auf unserem Speiseplan. In den 1950er Jahren wurde er tatsächlich noch weit weniger kritisch betrachtet: Vielleicht brauchten die Menschen in der Nachkriegszeit und dem beginnenden Wirtschaftswunder diesen süßen Seelentröster sogar noch mehr als wir es heute tun. Aber auch die Hersteller bewarben Zucker ganz ungeniert als einen gesunden Schlankmacher, an dem man keinesfalls zu sparen hätte. Es lässt sich nicht mehr klar zurückverfolgen, wie viel der heute bekannten Wahrheit den Zuckerproduzenten damals schon bekannt war. Allerdings sollte es nicht mehr lange dauern, bis jedes Kind wusste, dass Zucker alles andere als gesund ist. Noch in den Achtzigern wurden wir allerdings vor allem vor Karies gewarnt, während die übrigen Risiken und Nebenwirkungen doch eher ins Hintertreffen gerieten. Trotzdem war damals nicht nur den Zahnärzten, sondern allen erwiesenen Fachleuten vollkommen klar: Zucker ist eine Droge, von der die Mitteleuropäer viel zu viel in sich hineinschaufeln – mit vollkommen unterschätzten Konsequenzen.

Was Zucker im Körper bewirkt – und anrichten kann

Zuerst die positiven Aspekte: Zucker bringt Energie, und das blitzschnell. Darum ist Zucker (insbesondere in Form von Traubenzucker) für Sportler nicht unwichtig und für Diabetiker bei Unterzuckerung manchmal sogar lebensrettend. Außerdem kann Zucker den Kreislauf in Schwung bringen und zu einem allgemeinen Gefühl von Fitness und Wachheit beitragen.

Daraus lässt sich allerdings nicht schließen, dass Zucker gesund oder gar wichtig sei. Denn generell ist der menschliche Körper ein biochemisches Wunderwerk, in dem fantastische Prozesse stattfinden. Ganz automatisch, ohne dass wir näher darüber nachdenken müssten. Einer der wichtigsten dieser Prozesse besteht darin, Kohlenhydrate in Zucker umzuwandeln. Der Körper holt sich den benötigten Zucker (und damit die benötigte Energie) also auch aus Kartoffeln, Reis oder Getreideprodukten. Im letztgenannten Fall klappt das sogar so gut, dass zu viele Weißmehlprodukte ebenfalls kritisch betrachtet werden können. Immerhin sind diese aber normalerweise nicht schlecht für die Zähne. Es sei denn, sie enthalten Kristallzucker oder Fruchtsäuren.

Wie es immer so ist, wenn über Nahrungsmittel diskutiert wird: Es gibt neben den belegbaren Fakten zahllose Ahnungen, Meinungen, Halbwahrheiten. Manches zeigte sich im Tierversuch, manche Dinge deuten sich nach der Auswertung von anderen Studien an. Belegt ist: Zucker ist schlecht für die Zähne, führt zu Bluthochdruck, einem erhöhten Insulinspiegel (der Diabetes Typ 2 begünstigt), Verdauungsproblemen und macht außerdem fett und träge. Die letztgenannten Punkte erklären sich dadurch, dass der Körper zugeführte, aber ungenutzte Energie „für schlechte Zeiten“ als Bauchspeck oder Hüftgold einlagert. Nur dass diese schlechten Zeiten in unserer Wohlstandsgesellschaft niemals kommen. Und leider gibt es jede Menge Folgeerkrankungen, die aus den genannten Symptomen resultieren.
Außerdem gibt es Andeutungen, dass Zucker das Immunsystem negativ beeinflusst, Depressionen und Angstzustände fördert und für eine schlechte Haut sorgt.

Einen Grund zur Panik gibt es nicht. Selbst wer eine Riesentafel Schokolade oder einen gigantischen Eisbecher verspeist, wird normalerweise nicht mit einem Zuckerschock ins Krankenhaus eingeliefert. Allerdings sollten derlei Genüsse nicht allzu oft auf dem Speiseplan stehen. Besser ist es, den Zuckerkonsum möglichst weit zu reduzieren. Dann lassen sich übrigens kleine Sünden auch viel besser und mit reinerem Gewissen genießen.

Kaum irgendwo ist die Kluft zwischen Ist und Soll so groß wie beim Zucker

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Aufgabe, den Finger schonungslos in die Wunde zu legen. Es ist kein Skandal, Empfehlungen dieser Organisation nicht komplett auf die Goldwaage zu legen, zumal die Menschen verschieden sind. Und selbstverständlich sind Unterschiede bei Körpergröße und –Gewicht ebenso zu berücksichtigen wie kulturelle Aspekte sowie die Arbeits- und Lebensweise. Unterm Strich empfiehlt die WHO einen täglichen Konsum von 25 Gramm Zucker. Tatsächlich verputzen wir Deutschen aber im Schnitt rund 100 Gramm. Das Vierfache der empfohlenen Menge lässt sich natürlich in keiner Weise schönrechnen. Leider.

Was kann man tun?

Auch wenn wir es uns zu selten klarmachen, so ist Zucker ein echtes Suchtmittel. Daher ist es auch eine Utopie, sich vollkommen davon loszusagen. Jedenfalls gilt dies für die meisten Menschen, wenn sie sich den Spaß am Leben nicht komplett verweigern wollen. Besser ist die Regel, die für den Umgang mit den meisten ungesunden Suchtmitteln gilt: Wenn man die süße Droge als Belohnung betrachtet, die man sich zum Beispiel in der Mittagspause oder nach Feierabend in moderater Menge gönnt, so hält man den inneren Schweinehund bereits ausreichend im Zaum.
Vorsicht geboten ist bei Süßstoffen, da diese nicht die im Zucker enthaltenen Kalorien mitbringen. Daher führt ihr Konsum auch nicht zu einem Sättigungsgefühl. Das kann dazu führen, dass man regelrechte Heißhungerattacken bekommt und unterm Strich sogar noch mehr Kalorien zu sich nimmt als beim Zuckerkonsum. Wer seine Ernährungsweise daran anpasst, darf bei Süßstoffen aber durchaus zugreifen. Es versteht sich von selbst, dass Maßhalten auch dabei oberstes Gebot ist.


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Von: Anno Stock
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